Distelhäuser Winterbock (6,8%) seit 1879 aus Distelhausen in Baden-Württemberg: Schon makaber. Gestern war in München der heißeste Junitag seit dem Beginn den meteorologischen Aufzeichnungen vor 130 Jahren. Und ich trinke heute einen Winterbock. Zwar ist es von München hierher ein ganzes Stück. Trotzdem klebt mein T-Shirt am Stuhl und die Sonne brennt erbarmungslos herab. Aber vielleicht kühlt dieser schwäbische Winterbock ja mein Gemüt. Außerdem ist das Verfallsdatum noch nicht erreicht. Suffallend herb im Geruch und hellbraun in der Farbe. Der Schaum ist nicht zu bemängeln. Im Geschmack aber drückt sich sogleich das Malz durch. Malz. Malz. Malz. Intensiv, fast schwer, dick, einkreisend. So ein Bock ist halt schon etwas anderes. Da kann man nicht einfach so mal dran nippen. Da entwickelt sich jeder Schluck zur Belastungsprobe. Obschon bei diesem hire nicht unbedingt von Existenzkampf die Rede ist. Vielmehr verstehen es die Distelhäuser ihrem Bock eine gewisse, im Sinne des Bockbieres (!), Milde zu vermitteln. Es fällt nicht mit der Tür ins Haus sondern klingelt zuerst und erbittet Einlaß, bevor es einem die Lichter ausschießt. Mächtiges Malz, weiches Wasser und eine naturnahe Spur Tannenwald und Harz geben diesem Bier seinen Charakter. Es erfüllt auf jeden Fall die Ansprüche eines Bockbieres, wirkt aber am Ende vielleicht etwas zu gezügelt, um als wirklich großes Bockbier dazustehen. Es ist zwar einerseits kräftig und würzig, auf der anderen Seite auch mild und fein; aber wirklich einhaken, ergreifen kann es nicht. Da hat das Spessarter Jubilator einen kleinen Vorsprung. Nichtsdestoweniger hat man mit den Distelhäuser einen Bock auf dem Tisch, der sich sehen lassen kann. Ob im Winter oder im Sommer. Genießen kann man dieses Bier auf jeden Fall. Gute 4.
Fazit: Ganzjahresbier
Wertung: + + + + (t 06/03)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja