Distelhäuser Dinkel Das Spezielle (5,8 %) seit 1876 aus Distelhausen in Baden-Württemberg:


Mit 5,8 Umdrehungen ist dieses Bier ein echtes Dinkelschwergewicht. Stimmige und farblich gelungene Atmosphäre auf dem Etikett. Phänomenaler Schaum. Unheimlich feinporig. Sagenhaft standhaft. Riesenvolumen. (Was haben die denn da rein?!) Die Farbe ist dunkelorange bis mittelbraun, durch die Trübung erscheint sie sehr kräftig. Der Geruch ist organisch, erfrischend, tief, vollmundig, hefig, ein Schuss Malz, eine Schippe Dinkel. Alles sehr urig, altertümlich, energiegeladen.
Sehr hefiger Antrank. Dazu eine Spur weißer Weintrauben und einer Priese bitterer Kerne. Eine sehr holzige Note ist unübersehbar. Ein Happen Wein. Sehr viel Hefe, urtümlich und kauzig, sehr frisch. Das Aroma gar nicht mal so vollmundig als spritzig und doch wieder schwer, die 5,8 Touren sind klar erkennbar. Der Geschmack wird sehr aufgewühlt und vielleicht auch ungeordnet, hat aber eine unheimlich kernige und urige Ausstrahlung, schmeckt so, wie Bier wohl früher geschmeckt hat. Nicht makellos. Nicht glatt gebügelt. Mit charismatischen Ecken und Kanten. Hier sehr hefelastig. Obwohl ich Dinkel jetzt geschmacklich nicht perfekt eingrenzen könnte … es geht stark in Richtung Weizen. Eine holzige Bitterkeit geht vor allem im Finish stark auf. Malzwärme ist kaum im Spiel. Etwas ungestümes Saures lässt sich schwer im Zaum halten. Phasenweise wirkt das Aroma etwas hart, obschon das Wasser angenehm und auch die Kohlensäure geschmeidig wirken. Das ist auf jeden Fall ein sehr mutiges Gebräu. Völlig weg vom Fernsehbier. Eindeutig für Nischentrinker gemacht. Für Leute, die das Besondere suchen und auch einmal den steinige Weg gehen um ans Glück zu kommen. Sicher ist das hier keine leichte Kost und Anfänger oder Unbedarfte dürften sich u.U. schwer tun. Vielleicht sogar die Nase rümpfen. Aber für offene Bierseelen ist das ein ganz besonderes Happening. Kraftvoll und urwüchsig. Typisch und frisch im Hefebereich. Der Hopfen holzig, unbeirrt, in seiner kantigen Ausdruckweise sympathisch. Und ganz am Ende, wenn die Hefe komplett ins Glas geglitten ist, dann kommt plötzlich auch noch so etwas wie Süße und Wärme hinzu, die sich durch das Zusammenspiel des Malzes mit der mehligen Hefe ergibt und sehr intensiv wie voll wirkt. Darum: am Ende gut schwenken, damit auch die letzte Schicht Hefe ins Glas huscht. Es lohnt sich. Auch das Einartige erfährt durch den Schlussakt eine nochmalige Steigerung. Sicher anspruchsvoll und etwas kompliziert, somit nicht der entspannte Schluck. Vor allem das Holzig-Weinige strengt etwas an. Aber die Facetten zu entdecken und hinter die Kulissen zu blicken, das macht bei diesem Bier sehr viel Spaß. Ein Auseinandersetzen mit Aromen ist hier intensiv möglich. Und da diese ausnahmslos hochwertig sind, kann man hier spannende Entdeckungen machen.
„Urig, mild würzig, und besonders bekömmlich. Das Bier aus dem Urgetreide Dinkel ist reich an natürlichen Bestandteilen.“
Mild? Besonders bekömmlich?? Also Leute. Habt ihr die Etikette aufs falsche Bier geklebt? Das schein eine Werbeagentur verfasst zu haben, die dieses Bier nicht geprüft oder getrunken hat. Weder das eine noch das andere kann ich bestätigen. Die Stärken liegen hier ganz wo anders.

Fazit: Entdeckungsreise
Wertung: + + + + - [t 10/07]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Dinkelmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt, Hefe
Im Internet: www.distelhaeuser.de