Douglas Scotch Ale (8,6%) 1909 aus Edinburgh in Schottland: Ha. Das weckt Erinnerungen. Das gute alte Edinburgh. Das Athen des Nordens. Wer schon einmal die Chance hatte, diese wunderschöne Stadt mit ihrer eigentümlichen Atmosphäre zu besuchen, weiß, was ich meine. Dunkel, düster, grauer Stein. Spannend, sagenumwoben, geheimnisvoll. Viel Tradition und Stolz. Im Hintergrund die Gipfel der Highlands, in Sichtweite die trüben Tiefen der Nordsee. Da wünscht man sich in eines der zahlreichen gemütlichen Pubs, um bei einem Pint... OK. Konzentrieren wir uns auf das Wesentliche. WAS FÜR EIN GERUCH! Herrjeh. Das erinnert stark an Schnaps, weniger an Scotch pur. Sehr intensiv und ungewöhnlich. Die Farbe ruhiges, tiefes Rubinrot. Gut. Und da wäre noch der Geschmack. Und der hat sich gewaschen. Der erste Schluck erinnert an einen Esslöffel Honig, der mit Hochprozentigem gestreckt ist. Dickflüssig und brennend macht sich das Bier im Mundraum breit. Man ist überrascht. Das Unterbewußtsein gerät in Unruhe. Die Sinne stehen auf Alarm. Was zum Teufel ist das? Bier soll das sein?! Uuaargh. Man muß schon mindestens zwei nasse Fischerpullover an und nur noch 6 Zähne im Mund haben, frisch vom Fischfang auf hoher See kommen und dazu eine löchrige Wollmütze auf dem Kopf tragen, um dieses Bier spontan zu mögen. Das ist wirklich ungewöhnlich. Ungewöhnlich stark vor allem. Was genau drin ist, wird nicht exakt beschrieben. Vermerkt ist nur: „Der echte schottische Scotch, kräftig aber doch weich, in einem dunklem Rubinton und mild im Geschmack.“ Mehr geht nicht hervor. Klar ist aber, dass da wohl wirklich Scotch beigemengt wurde. Und daran muß man sicher erst einmal gewöhnen. Fakt ist aber auch, dass das Bier überraschend mild ist. Trotz der nicht weg zu diskutierenden Stärke wirkt es bekömmlich und gemäßigt. Dazu hat es ein Wasser, das mit Weichheit glänzt und eine Kohlensäure, die fein portioniert ist. Es hat zwar vor allem in Nachgeschmack eine satte Schärfe, aber diese wirkt nicht unbedingt störend oder abweisend sondern eher wie das Kräftige eines guten Whiskeys. Hart aber bestimmt. Kräftig aber kumpelhaft. Dieses Bier schlägt in eine ähnliche Kerbe. Es vereint ein verblüffend breites Geschmacksspektrum. Es bietet ein volles, kräftiges, kerniges Aroma. Absolut ungewöhnlich und rar. Nix von der Stange sondern Individualität. Klasse Schaum. Tolle Farbe. Weiches Wasser. Runder Geschmack. Sicher braucht man ein paar Minuten, um den dampfhammerähnlichen Eindruck zu Beginn zu verdauen. Aber hat man den ersten Gang auf die Bretter hinter sich und rappelt sich auf, dann eröffnet sich mit dem Douglas Scotch Ale eine erstaunliche Bandbreite an Aroma und Geschmack. Man findet milden Honig, kernigen Scotch, kräuterähnliche, abwechslungsreiche Facetten, karamelbehaftetes Malz, aromatischen Hopfen. Das alles und noch viel mehr steckt in einem erstaunlich ausgewogenen Verbund. Ich bin absolut amused. Dazu noch eine urschottische Gestaltung der leider viel zu kleinen Flasche. Auch ans Auge wird gedacht. Ja. Das hat as. Da kann ich an dieser Stelle einem Bierfreund nur herzlich danken, der mir den English Shop in Stuttgart empfohlen hat. Sicher nicht im Old English Style eingerichtet. Aber das Sortiment kann sich sehen lassen. Rund 30 verschiedene Sorten Britisches Bier. Unter anderem das schottisches Douglas, von dem ich nur empfehlen kann, nicht zu viele an einem Abend zu trinken. Denn mit seinen 8,6 Umdrehungen und seiner formidablen Süffigkeit gehört es eigentlich in die Kategorie Waffenscheinpflichtig. Man. Bevor man zweimal Luft geholt hat, ist das erste Glas leer. Man schnalzt mit der Zunge im Mund herum und versucht mit seine Geschmackspapillen noch das eine oder andere Aromaatom in Richtung Hirn zu katapultieren. Und wenn man nicht eine eiserne Selbstdisziplin hat, ist das zweite Glas noch viel schneller leer. Und wer will die schon haben, bei solch einem leckeren Bier? Ich nicht .Her mit der zweiten Flasche. What an Ale. What a brilliant Beer.
Fazit: Very amused
Wertung: + + + + + + (t 03/03)