Ebensfelder Brauhaus Fränkisches Landbier (4,9 %) privates Brauhaus seit 1752 aus Ebensfeld in Bayern:

Voller, nussiger und durchaus hopfig angehauchter Geruch. In vorderster kämpft das Malz, treberwürzig, eine Nuance Apfelschale, aber dicht auf den Fersen befindet sich der Hopfen. Gelungen. Etwas humorlos. Aber auf den Punkt gebracht urig und herzhaft. Der Schaum ist sicher nicht die Krönung. Die Farbe geht in ein recht kräftiges Gelb über.
Der angedeutete Apfel rettet sich nicht nur in den Antrank sondern drückt im seinen Stempel auf. Leider wirkt er hier etwas latschig bei gleichzeitig etwas schwammiger Maischhaftigkeit. Feuchter Treber, etwas unbelüftet. Dieser Eindruck verliert sich aber bald. Vordergründiger wird eine frische Säuerlichkeit sowie ein Hauch, der an Brause erinnert, Apfel vornehmlich. Leider spielt auch etwas leicht Oxidiertes mit, aber glücklicherweise nich mal die zweite Geige. Das kann man vernachlässigen. Präsenter ist da ein sehr uriges, sehr herzhaftes und urwüchsiges Aroma, das man deutlich eher einer Hausbrauerei zuordnen würde als einer aktiengesteuerten Produktionsstätte. Das wirkt attraktiv, sympathisch, anregend. Eine fruchtige süße wallt im Antrank gekonnt und stark auf. Im Abgang das schon erwähnte schwach Metallische. Dazwischen eine Mischung aus seidigem Lauf und erfrischender Säuerlichkeit mit Fruchtaspekten. Sicher ist die Kohlensäure etwas zu agil. Das Wasser macht sich gut. Dennoch wirkt die Sache etwas zu sprudelig, der Süffigkeitsfaktor ist nicht unendlich hoch. Macht aber nicht sehr viel, denn das Aroma ist gefestigt genug, um diesen Makel abzuwenden den Geschmack, den Genuss in den Vordergrund zu bringen. Und es gibt in der Tat einiges zu entdecken. Frucht. Malz. Feinherbes. Apfelsüße mit Schale des gleichen. Typischer, spezieller, individuell geprägter Geschmack. Ein Bier mit Charakter. Die Vollmundigkeit nicht perfekt. Dafür der Ablauf zwischen Antrank, Mittelteil und Abgang sehr differenziert und spannend. Das Malz hat großes Format und bietet zahlreiche Facetten und Interpretationspunkte. Sehr positiv das extrem urtümliche und brauhausähnliche Geschmacksbild im Ganzen. Mindernd wirkt sich das Oxidierte aus. Ich bin sicher, vom Fass ist dieses Bier ein noch größeres Erlebnis. Das Flaschenbier muss sich aber mit einer guten 4,5 zufrieden geben. Dazu ist der Metalleinfluss einfach zu stark. Aber diese Wertung wirklich nur unter Vorbehalt. Jede Wette, dass dieses Fränkische Landbier vor Ort vom Fass den Vogel abschießt. Das spürt man.

Fazit: Schießt den Vogel ab
Wertung: + + + + -* [t 10/07]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
PS: Vielen Dank an Thomas K. für die Zusendung!