Einbecker Ur-Bock Dunkel (6,5 %) 0,33er-Flasche seit 1378 (!!) aus Einbeck in Niedersachsen:


Was für eine Brautradition. Das kann sich mehr als sehen lassen. Das Etikett hingegen wirkt etwas unterfordert. Da könnte man sich etwas attraktiver vorstellen. Der Schaum baut sich für ein Bier dieser Kategorie sehr gut auf. Feine Poren, cremige Konsistenz, wilde Ruhe im Schaum. Tolles Bild. Das „dunkel“ ist ein recht helles Braun schöner Klarheit. Das ist optisch schon mal auf jeden Fall ein großer Augenschmaus. Der Geruch ist kernig, in seiner Würze fast ein wenig (angenehm) beißend, nussig, mit Harzanteilen und kräftiger, bochbiertypischer Malznote. Alles recht klassisch. Intensiv. Setzt ein Ausrufezeichen. Aber nicht aufdringlich.
Sehr intensiver Antrank bockbiertypischern Anstrichs. Sehr harzig. Sehr nussig. Das Malz könnte als das Bockbiermalz schlechthin durchgehen. Für meinen Eindruck allerdings etwas zu forsch, nicht plump, aber doch etwas eindimensional. Auf der anderen Seite entwickelt das Einbecker mit 6,5 Touren ein Drehmoment, das sich gewaschen hat. In Sachen Stärke und Intensität macht diesem Bock so schnell kein anderes Bier etwas vor. Likörartiges, Bierlikörartiges mischt sich unter. Das Malz dominiert, steht seinen Mann, gibt nicht nach. Der Hopfen steuert dennoch spürbare Bitterstoffe hinzu, die ebenfalls durchaus eindrucksvoll sind. Entfernt gemüseartige Einflüsse sind interpretierbar. Ein Bier mit Selbstvertrauen und Strenge. Etwas knochig vielleicht. Die Süffigkeit aufgrund der Intensität und Stärke des Aromas vielleicht nicht perfekt. Dafür machen Wasser und Kohlensäure eine vorzügliche Figur.
„Das Original aus der Heimat des Bockbieres. Kernig, mit feinwürzigem Röstmalzaroma und von einer geheimnisvollen dunklen Optik.“
Die Heimat des Bockbieres. Das ist doch ein Statement. Und so schmeckt dieser Bock auch. Als käme er wirklich aus der Wiege dieses Typus. Hat vielleicht die Entwicklung nicht ganz ernst genommen, wirkt im Charakter recht konservativ, nicht einfach, aber auch nicht raffiniert. Das macht aber auch nichts, denn dieses Geradeaus, diese Eindeutigkeit des Aromas lässt keinen Raum für Zweifel: Einbecker Ur-Bock dunkel, ein Bier mit Tradition und Gewicht. Vorsicht Neueinsteiger! Das ist kein Glücksbärchenbier. Das ist ein sehr männliches Gebräu, für das man eine gewisse Standfestigkeit, auch am Gaumen, benötigt. Im Hintergrund übrigens noch eine harzig-süße Impression, welche die Zunge aufgrund ihrer angenehmen Strenge schnalzen lässt. Dennoch ist insgesamt die 5 nicht ganz erreicht, weil die Zutaten zwar alle für sich sehr intensiv und eindrucksvoll auftreten, im Zusammenspiel jedoch nicht perfekt kompakt wirken, etwas zerfranst auftreten. Das Bittere kann nicht vollendet mit dem Süßen. Dennoch. Probieren!

Fazit: Bockbierklassiker
Wertung: + + + + -* [t 02/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Brauwasser, Gerstenmalz*, Naturhopfen, Hefe (*aus integriert-kontrolliertem Anbau)

Einbecker Ur-Bock Dunkel (6,5 %) 0,33er-Flasche seit 1378 (!!) aus Einbeck in Niedersachsen:

Dunkles Bier. Starkes Bier. Ehrliches Bier. Da bleibt was hängen. Wenn man 600 Jahre lang Bier braut, kann das nur was gutes sein. Sonst wären schon längst Köpfe gerollt. Der Geschmack ist sehr ausgewogen und angenehm. Die Farbe des Bieres ist willkommen malzig-dunkelgold. Die Flasche ist zwar originell, dafür aber viel zu klein (0,33 Liter). Mehr wäre mehr in diesem Fall. Gibt's das nicht irgendwo vom Faß? Sicher noch eine Steigerung.

Prädikat: Alter, stolzer Trunk. Langer Weg. Ziel erreicht.
Wertung: + + + + - (tom)