Ergenzinger Bock (7,2 %) Ergenzinger Ochsenbräu, Privatbrauerei
Franz Digeser seit 1824 aus Ergenzingen in Baden-Württemberg:
Prächtig. Bock und solch ein Schaum. Mehr als ordentlich. Vor allem
diese feine, cremige, filigrane Struktur überrascht. Aber auch
der außerordentlich gute Stand und das überüppige Volumen;
das kann man lassen. Die Farbe macht sich gut, wirkt bockbiertypisch
kräftig, goldleuchtend, glanzfein, animierend. Der Geruch ist nur
einen Augenblick scharf, danach wird die Sache sehr mild und zurückhaltend,
fast wünschte man sich mehr Fahrt an diesem Punkt.
Harziger, mildmalziger, sehr bekömmlicher und milder Antrank. Das
soll Bock sein? Herrje. Das ist doch viel zu sanft! Eine fast unnatürliche
Zurückhaltung gepaart mit grandios milder Würzeentfaltung
und einer Süffigkeit, die sich für einen Bock eigentlich gar
nicht ziemt. Ein unheimlich klares, transparentes, geradliniges Getränk.
Enorm süffig und schlank. Man spürt keinerlei Widerstände
oder Zwänge. Das läuft dermaßen glatt und rund ab; verblüffend.
Keine Sekunde ist der werte Trinker geneigt das Gesicht zu verziehen
oder auch nur den geringsten Berg überwinden zu müssen. Das
läuft. Das läuft und hinterlässt vordergründig keinerlei
Spuren. Außer einer langsam einsetzenden, gedämpft beginnenden
Euphorie, was fatal ist, denn diese animiert den Führungsarm nur
umso mehr das Glas zu heben ... Lecker Ding. Süffig. Flott. Von
Starkbier eigentlich keine Spur. Sicher könnte man das auch als
Nachteil auslegen, denn ein Trank dieser Stammwürzekategorie müsste
eigentlich nach mehr schmecken ... andererseits bietet der Ergenzinger
Bock einen fatal-genialen, absolut einfachen Einstieg in die Bockbierliga.
Wer sich schon immer vor Böcken gefürchtet hat, der muss mit
diesem anfangen. Er wird wunderlich verblüfft sein über die
Einfachheit und die Neutralität dieses Bieres; und über die
Wirkung, die bald und konsequent eintritt, vorausgesetzt eine nicht
angepasste Konsumfreude, was eher normal wäre, denn, wie gesagt,
selten so einen süffigen und glatten, milden und bekömmlichen
Bock erlebt. Das ist der Wolf im Schafspelz. Das Malz, harzig-süß,
unübertrieben im Auftritt, der Hopfen leicht herb, ansonsten nur
weiches Wasser, feine Kohlensäure, viel Trinkspaß. Als Festbier
wohl kaum geeignet. Viel zu süffig und viel zu stark. Die Gesellschaft
bricht nach ein paar Dutzend Minuten in Ekstase aus und streicht dann
viel zu schnell und viel zu eindringlich die Segel. Das Maß geht
verloren. Die Sünde wird zu groß. Schwer zu bewerten. Geschmacklich
sicher nicht unbedingt herausfordernd oder beeindruckend. Aber diese
Süffigkeit, dieses sanfte und doch versteckt mörderische ...
soll sich jeder sein eigenes Bild machen. Ich finde: etwas zu unwürzige
und wenig aromatisch für ein richtig gutes Bockbier. In Sachen
Süffigkeit aber einer der Meilensteine. Andererseits ... diese
milde und dennoch markant-präsente Malz ... das hat schon etwas.
Und diese feine, scharfe, leicht parfümartige, würzige Note
am Ende, nur mit viel Anstrengung erspäh- bzw. erschmeckbare Note
.. die macht sich sicher auch gut ... Doch dazu ist unterm Strich doch
zu viel Konzentration nötig, und das ist ein großer Kontrast
zum Rest, drum nur die gute 4,5.
Fazit: Hohes Risiko
Wertung: + + + + -* [t
02/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt