Ergenzinger Ochsenbräu Pilsner (5,2 %) Privatbrauerei Franz Digeser seit 1824 aus Rottenberg-Ergenzingen in Baden-Württemberg:


In Sachen Schaum machen diesem Pils nicht viel andere etwas vor. Sehr kompakt und feinporig, dicht und stramm, gutes Volumen, fabelhafter Stand. Der Geruch ist recht dezent, der Hopfen hat eine zurückhaltend blumige Note, das Malz kann man durchaus orten. Es wirkt hier recht warm. Die Farbe ist überraschend kräftig und dunkel; für ein Pils.
Das ist ungewöhnlich. Ein extrem malziger Antrank, der weich und wohlig wirkt und erst ab der Mitte in eine sanfte, blumige Hopfigkeit übergeht. Sehr mild und bekömmlich. Ein unheimlich ungewöhnliches Pilsaroma. Dazu wirkt dieses Bier, als wäre es gerade eben aus dem Fass im Reifekeller in die Flasche entlassen worden. Sehr frisch und hausbrauereitypisch. Kleine Macken, positive Ecken und Kanten, eine Wärme, die nur ein familiär und mit Herzblut eingebrautes Bier haben kann und dadurch einen Ausdruck erhält, der nur schwer zu beschreiben, dafür um so stärker zu schmecken ist. Es hat einfach Charakter und bezieht Position. Das Etikett dieser Brauerei ist zugegeben nicht unbedingt innovativ oder irgendwie beeindruckend. Aber das, was drinsteckt, ist a la Bonheur. Ein unheimlich spielfreudiges, tiefgründiges, selbstbewusst-bescheidenes, kerniges, schrägwürziges Pils mit großer Geschmacksbühne. Schon der erste Schluck macht klar, dass man es hier mit etwas Besonderem zu tun hat, aber mit einer Art Besonderheit, die sympathisch und Bodenständig sowie gewinnend ist. Man fühlt sich sofort hingezogen zum Ergenzinger Ochsenbräu. Verdammt gutes Bier. So normal und natürlich. Kein Sperenzchen, kein Angeben. Bescheidenes Auftreten. Grandioser Geschmack. Lange nicht so hopfig und bitter wie das Hochdorfer aus der gleichen Region, eher warm und süß, malzig, der Hopfen blumig, alles sehr gedämpft und weich. Wasser wie Kohlensäure auf einem Niveau, das Mundraum und Rachen nur so frohlocken. Die Zutaten ... wahnsinnig kompakt und voller Ausdruck und Charakter ... das hat ein Format, verrückt, grandios ... wenn nur der Abgang noch einen Hauch mehr Schwung hätte, die 6 wäre unumgänglich. So nur haarscharf dran vorbei.

Fazit: Ein Pils zum Frohlocken
Wertung: + + + + + - [02/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz und Hopfen