Ettaler Klosterbrauerei Curator dunkler Doppelbock Sonderabfüllung (9,0 %) 0,5-Liter-Flasche seit 1330 aus Kloster Ettal in Bayern:

Hier handelt es sich um eine am freien Markt nicht unbedingt immer erhältliche Sorte, sondern um einen Spezialsud. Mit 9,0 Umdrehungen begibt sich dieser Doppelbock schon eindeutig in Richtung Ultrastarkbiere, denen man sich nicht gefestigt nähern sollte. Also. Haltung annehmen – und bewahren – und rein ins Vergnügen. - - Sehr dunkel fließt’s ins Glas. Zwischen Mahagoni, Kastanienbraun und Teakholz pendelt sich der Farbton ein. Alles klar hier soweit. Abwechslungsreich und mystisch glimmend. Der Schaum stemmt sich kaum über den Becherrand empor. Bei dieser Stammwürzezahl ist das aber überhaupt kein Problem. Der Geruch ist intensiv, schwer, leicht beißend, angriffslustig, malzig, starkbiertypisch bockbierähnlich. Phasenweise fruchtig. Harzig-nussige Nuancen sind zu erkennen und bilde im Hintergrund eine Partei. Nichts, was man dem Biereinsteiger vorsetzen würde. Oh man. Keine leichte Kost. Das scheint den ganzen Mönch zu fordern.
OK: Auf den ersten Schluck hin würde ich das eher in Richtung Likör definieren, als versuchen im Biersektor unterzubringen. Was für ein Pfund. Was für ein Zeichen. Erdbeerfruchtige Anlagen bestimmen den Antritt. Likörähnlich-starke Tatsachen bestimmen den Weg. Das ist von Anfang an kein Bier für Halbstarke, dieser Trank verlangt vom Start weg Stehvermögen, Weitblick und Entdeckergeist. Ansonsten haut es einem die Füße weg. - - Fruchtige Impressionen sind stark vertreten. Himbeere und Kirsche tauchen neben der Erdebeere auf. Das ergibt zunächst einen fruchtig-frischen Aromamix, der aber alsbald durch die mächtige und unnachgiebige Malzaxt unter Druck gerät. Das Aroma hat dermaßen viel Dynamik und Spannkraft … dem Trinker wird’s bald schummrig. Sehr rein und klar ist dabei der Geschmack, unverschoben und unverbogen, eindeutig und scharf umrissen, klar definiert. - - Ums Malz geht es. Das ist eindeutig. Das Malz haut bei jedem Schluck eine breite Bresche. Nicht unbedingt behutsam und mild. Nein. Das ist eher ein Feldzug gegen sanftliebende Weichbiertrinker. Hier ist der ganze Mann gefragt. Nicht der Novize. Die kernig-spitze Würzigkeit, die Stärke jedes Schlucks … da braucht man schon Stehvermögen, oder man wendet sich alsbald ab und widmet sich anderen Dingen..
Das darf natürlich nicht passieren, dazu schmeckt dieser Ettaler Trank viel zu tief, gehaltvoll, gut und wertvoll. Fruchtige Impressionen stehen zwar klar im Raum, tun sich aber im Schatten der Malzphalanx schwer, sich nachhaltig zu behaupten. Man muss aufpassen, hinter diesem brachialen Geschmackspaket die feinen Nuancen nicht zu übersehen. Und die stehen vor allem für die fruchtigen Aspekte. Die sind eigentlich reichlich vorhanden, wenn auch nicht sofort aufspürbar. - - dickflüssig und schwer das Gebräu. Sehr weich und seidig das Wasser. Die Kohlensäure schmeichelt dem Gaumen. Die Basis ist äußert sanft. Dann aber fällt der Geschmack mit voller Wucht über den Trinker her und die Harmonie ist erstmal dahin. So sanft das Grundgerüst, so unbarmherzig die Wirkung. Malz. Malz. Malz. Überall und in jedem Winkel haut das Malz die Aromaaxt tief in die Geschmackspapillen. Leicht harzig. Nussige Ansätze sind vorhanden. Das Fruchtige hatten wir schon. Im Karamell lauert eine leicht säuerliche, spitze, sehr anregende, nicht beiseite zu rückende Dynamik. Wie Likör schmeckt dieses Gebräu. Schwer. Voll. Tief. Jeder Schluck regt an und fordert heraus. - - Bloß nicht den Fehler machen, der Süffigkeit zu erliegen. Umso schneller muss man aufgeben. Das Aroma reizt, verführt, bezaubert und fordert, lockt und ist für Augenblicke so honigsüß, dass man alles um sicher herum vergisst. Dazwischen dann immer wieder dieses ungemein würzige Malzbein, das allem seinen Stempel aufdrückt, sich allem in den Weg stellt, so würzig und vehement auftritt, dass an ein Entkommen nicht zu denken ist. Ein schweres, tiefes Bier mit Sogwirkung. Man weiß zwar, dass man beim Genuss bald ins Hintertreffen kommt, den kürzeren zieht, und kurz keimt auch die Vernunft auf, aber nur kurz, und dann ergibt man sich, lässt sich auf den Rhythmus des Bieres ein und treiben … und das tut gut und schmeckt und endet sicher an dem Punkt, wo wir alle die Segel strecken müssen …dennoch … ein wundervolles Bier. - - Wobei die Rezeptur eigentlich rech einfach ist: knallhartes, bockbiergestähltes Malz in engen aber schwungvollen Variationen. Dazu etwas Fruchtiges und ein paar harzig-nussige und vereinzelt auch honigsüß-harzige Spuren. Mehr ist es eigentlich nicht. Und doch ist der Geschmack so mächtig und übergreifend, dass man sich nicht wehren kann. Dass es einem den Boden wegzieht und man sich auf ganz neue Pfade begibt. - - Wie schön. Ich geb’ gerne auf. Lass mich treiben. Streck die Waffen. Aber die Arme nehme ich nicht nach oben. Denn dann komme ich mit dem Humpen nicht mehr an den Mund. Zu allem anderen erkläre ich mich bereit.

Fazit: Breite Bresche
Wertung: + + + + + - [t 04/11]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen
Im Internet unter: www.kloster-ettal.de
PS: Vielen Dank an ??