Farny Premium Pils (4,9 %) seit 1833 aus Kisslegg in Baden-Württemberg:
Vergleichstest mit dem
Berg
Bräumeister Pils aus Ehingen-Berg in Baden-Württemberg.
Der Schaum hier ist nicht ganz so imposant wie der des Berg-Bieres,
dennoch macht er seinem Typus keinerlei Schande sondern überzeugt
durch ein ausgeprägtes Volumen, eine mittel- bis feinporige Struktur
und einen ansehnlichen Stand. Der Geruch ist milder, kontrollierter,
disziplinierter, malziger, wobei der Hopfen durchaus eine markante Note
besittz und lebendig und frisch wirkt. Die Farbe des Farny ist ein bisschen
blasser als beim Berg aus Ehingen.
Was sich schon im Duft angedeutet hat, führt sich im Antrank fort.
Das Farny hat die mildere und bekömmlichere, ausgewogenere Grundhaltung.
Bei enorm weichem Wasser und einem etwas höheren Malzgrad erreich
dieses Pils eine famose Weichheit und Bekömmlichkeit. Durch die
sehr samtige Kohlensäure wird ein Süffigkeitsfaktor erreicht,
der enorm hoch ist. Allerdings fehlt dem Farny ein bisschen die Spritzigkeit
und Lebendigkeit, das Forsche und Drängende, Jugendliche des Berg-Pilsbieres.
Der Abgang hingegen ist milder und fühlt sich wohliger an, hängt
zwar nicht so lange am Gaumen, dafür verbreitet er ein sehr warmes
und gediegenes, harmonischeres Gefühl als das Berg. Auch ist es
eine Spur süffiger. (Und die Flasche liegt durch den geschickt
platzierten Wulst kurz vor Beginn des Flaschenhalses deutlich besser
in der Hand.) Tja. Beide fraglos wirklich gute Biere. Das Farny zurückhaltender
und sortierter mit einem etwas gedämpfteren Charakter. Der Geschmack
ist zwar tiefer und ruhiger, dafür auch eine Spur unlebendiger
als beim Kontrahenten. Trotzdem würde ich das Farny vorziehen,
wobei ich dem Berg keinesfalls zu nahe treten möchte; einfach,
weil das Gesamtbild des Aromas schlüssiger, geschlossener und milder
ist, mehr Ruhe und Tiefe ausstrahlt. Außerdem ist die Kombination
aus sahnig-schaumigem Wasser-Kohlensäure-Gemisch sowie den famos
milden Zutaten wirklich alle Ehren wert. Allerdings verliert es nach
einer Weile etwas an Durchzugskraft, man gewöhnt sich sozusagen
an das milde Aroma, es fesselt dann nicht mehr wirklich. So sanft und
sahnig es auch ist und wie herrlich gut zu trinken, das aktivere ist
das Berg. Beides sind überdurchschnittlich gute Biere frei von
jeglicher Unreinheit, Störung und sonstiger Beeinflussung. Somit
muss man sagen: egal zu welchem dieser beiden Biere man greift, man
macht keinen Fehler.
„Gebraut zur Erinnerung an Minister a.D. Dr. h.c. Oskar Farny,
Brauerei- und Hofgutbesitgzer. Ein fein-hopfenherbes Pils mit der besonderen
Note des Tettnager Aromahopfens, gebraut nach dem Reinheitsgebot von
1516 mit Wasser aus eigenen Quellen.“
Beides hervorragende Biere mit eigenem Charakter und fehlerfreiem Aufspielen.
Das Farny überzeugt zu Beginn durch seine ungemein sanfte und bekömmliche
Art. Am Schluss wird es von der facettenreichen Spielfreude des Berg-Hopfens
eingeholt. Schade, dass in beiden Flaschen lediglich 0,33 Liter steckten.
Das ist bei einem Vergleichstest, wo man jeden Schluck konzentriert
gegeneinander abwägt, fast zu wenig, denn man getraut sich gar
nicht, den wichtigen richtig Tiefen Zug zu nehmen. Und erst dann weiß
man, was in einem Bier wirklich steckt.
Fazit: Mach keinen Fehler
Wertung: + + + + + [t
11/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hopfenextrakt
Im Internet:
www.farny.de
PS: Verbindlichsten Dank an die Brauerei Farny, die
uns ein rechhaltiges Probierpaket hat zukommen lassen.