Fattigauer Hefe-Weizen Helles Weissbier (5,3 %) 0,5-Liter-Flasche, Private Schloßbrauerei Chr. Stelzer, Gründungsjahr 1353 aus Fattigau in Bayern:

Verführerischer, schmeichelnder, sehr intensiver und wohliger Geruch. Honig. Vanille. Malzsüße. Voll und tief, rein und klar. Natürlich. Sympathisch. Herzhaft. Die Hefe drückt dem Duft ihren Stempel auf, würzig und kernig im Charakter. Der Weizen ist milder, wenn auch lebendig, gleichmäßig, rein. Der Schaum hingegen enttäuscht etwas. Da gibt es eindrucksvollere Weissbierhauben. Farblich ist das ein kupfernes Orange-Maisgelb.
Edel und anspruchsvoller Geschmack. Seidig und gleichmäßig geht das Aroma seinen Weg. Nelkenartige Spuren harmonieren herrlich mit den Weizenströmen. Das wirkt weich und pudrig, ausgewogen, herzhaft, bekömmlich. Der Hopfen steuert eine feinherbe, zarte Bittere hinzu, die sich mild und harmonisch einfügt. Eine Spur Honig taucht auf, eine leicht bittere Zimtnuance ist auszumachen. Das Malz ist nicht ganz so süße, wie der Duft das andeutete, dennoch wogen feine Zuckerimpressionen auf. Sehr kompakt und gleichmäßig aufgebaut. Der Geschmack herzhaft-würzig, mild-aromatisch. Die Zutaten haben eine große Strahlkraft und Natürlichkeit. Hier wurde nicht irgend etwas genommen, hier wurde mit Kopf, Verstand und Herz ausgesucht. Der Weizen reif und griffig, leicht heuartig. Nussige Momente passgenau im Hopfenrahmen. Klare, eindeutige Ausrichtung. Keine Mätzchen, kein Gepose – reife, ausgewogene, bodenständige Haltung. Kein Krampf, nichts Gespieltes. Ehrlicher, unverbogener Genuss. Spuren von Vanille, sehr dezent im Hintergrund geschichtet, versüßen den Bierspaß zusätzlich. Das Wasser ist eine Wonne, die Kohlensäure extrem gut eingestellt. Der Süffigkeitsfaktor konkurriert mit dem Genusspunkt. Der Trinker entscheide, welchem Labsal er sich hingibt, welche Richtung er einschlägt, um ans wonnige Ziel zu gelangen. Sehr gefährlich. Sehr gut. Ein Weizen in Prachtform. Jeder Schluck steckt voller Ausdruck und Intensität. Die Natürlichkeit ist grandios. Jeder Schluck erscheint gesund und reif, herzhaft und bekömmlich. Die Inhaltsstoffe harmonieren prächtig, spielen ohne Identitätsverlust vorzüglich im Orchester. Die Hefe sei nochmals hervorgehoben. Extrem schmackhaft und agil. Wie ein Schleier liegt sich über dem Aroma, ohne dabei auch nur das Geringste zu verdecken. Herzhaft und bissig, mild, fein, filigran. Toll. Der Weizen spielfreudig, klar im Geschmack, unabgelenkt, zielgerichtet, passgenau. Der Hopfen in seiner feinherben Ausrichtung mit ein paar Tabaknuancen verschönt. Nussiges im gelungenen Wechselspiel mit honigangehauchten Augenblicken. Das Malz gemütlich, tief, reif, malzbitter-süß, sehr gelungen. Die Herbe Noten sind die treibende Kraft. Die süßen Momente sorgen für eine gelungene Abwechslung. Die Vollmundigkeit ist sprichwörtlich. Ein vorzügliches Hefe mit Format, bei dem alles passt.

Fazit: Vorzüglich
Wertung: + + + + + - [t 10/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot: JA
Zutaten: Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
PS: Vielen Dank an Hartmut von der Weißbiergarage für die Bierspende.