Feldhof, Pils, 5,5%, aus Pfaffhausen/Zürich in der Schweiz
Das Erste, was dem Besucher des Restaurants mit integrierter Brauerei
„Feldhof“ auffällt, das sind die zahlreichen, gutgelaunten
Gäste aus deutschem Lande. Der Kumpel, der mich da hingeführt
hat, ist nicht geringer als der langjährige Vizepräsident
der Schweizerischen Gesellschaft für Biervielfalt (GFB), Herr Toni
Hutter – hierzulande ist die GFB eine hoch potente Gesellschaft
mit Verbindungen, die bis zur Landesregierung reichen. Gekommen sind
wir wegen dem Oktoberfestbier. Als „Einstieg“ haben wir
uns jedoch für eine der Hausspezialitäten entschieden –
das Pils. An dieser Stelle eine kleine Anmerkung – der amtierende
Braumeister im Feldhof ist ein gebürtiger Deutscher, Herr Thorsten
Pape. Soviel vielleicht als Erklärung, warum hier so viele Gäste
aus dem „großen Kanton“ ein- und ausgehen und warum
hier als Hausbier nicht Lager hell sondern Pils im Angebot steht. Zwei
Nullfünfer-Portionen stehen vor uns. --- Ein seidiger, feinmaschiger,
blendend-weißer, ultraweicher und kompakter Schaum bedeckt das
nicht filtrierte, hellgelbe Bier – eigenartig: das Pils kommt
ohne die obligate Pils-Blume daher. Das Pils aus Pfaffhausen hat ein
ausgewogenes Bouquet und es duftet anregend frisch-fruchtig und würzig
sowie ausdrucksvoll nach Zucker, Veilchen, Rosen, Gerstenmalz und Edelhopfen.
Überdies hat es unzählige floreale und balsamische Aromen
sowie eine knackige Hefenote. Der Antrunk ist von der superben Art.
Das Bier ist rund, dicht und saftig, es hat viel Schmelz, viel Fülle
und viel Länge. Das vollmundige und äußerst kernige
Pils mundet göttlich. Ein Feuerwerk der Impressionen findet im
Gaumen statt. Alles, aber wirklich alles, kommt hier vor: Von Zucker,
Süßwaren, Sommerblumen bis hin zu sehr viel Hopfen. Der wohlproportionierte
Körper mit seiner seidigen Textur ist genial. Der hopfig-trocken-frische
Abgang ist sublim. Im Mund multiplizieren sich lebendige, anregende,
trockene und spritzige Grapefruitaromen. Die Glücksmomente bei
diesem Pils sind lang anhaltend und nachhaltig. Boah! In der Nase offenbart
sich nun eine feine Hopfennote, die sofort an ein frisch gezapftes Kellerbier
erinnert. Das Bier hat einen kompakten, voluminösen und facettenreichen
Bau. Die Kohlensäure ist extrem zurückhaltend. Ein Pils, so
wie ein norddeutsches Pils sein muss; kräftig, herb, ausgewogen
und ungemein süffig und nach mehr rufend. --- Am Ende der fröhlichen
Trinkrunde sind Herr Hutter und ich uns einig – das Pils als solches
verdient eine volle 6. Aber. Wegen des nicht sehr akkuraten Zapfens
– sprich: wegen der bei all getesteten großen Tulpen gänzlich
fehlenden Pils-Blume, wird das Pils mit einer 5 bewertet – nochmals,
das herrliche Pils kann wirklich nix dafür. Daher, für einmal,
diese Doppelwertung. Dieses Pils verdient die volle Beachtung und, last
but not least, das Auge trinkt mit. Jetzt aber ganz zum Schluss: Als
wir bei der Bushaltestelle auf den Bus nach Zürich warteten, outete
sich der gute GFB-Vizepräsident hemmungslos: das Feldhof sei nämlich
sein Stammlokal. Jetzt bitte bloß nichts weitersagen.
Fazit: Das deutsch-schweizerische Pils
Wertung (das Bier): + + + + + +
[i 10/11]
Wertung (die Präsentation des Bieres):
+ + + + + [i 10/11]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
Ja
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Im Internet unter:
www.feldhof-pfaffhausen.ch,
www.biervielfalt.ch