Fiaker Bräu Dunkles (4,9 %) frisch vom Fass, Langenloiser Brauerei
seit 2008 aus Langenlois in Österreich:
Langenlois ist ein schöner Ort. Historische Bauten. Ein wie aus
dem Ei gepellter Marktplatz. Eine alte, bedeutende Kirche. Und eine
urige Gaststätte, die ihr Bier seit 2008 selbst braut. Sehr geschickt:
die Leute schenken ihr Bier in 1-Liter-Flaschen aus und verkaufen es
im Schankraum an Interessierte zu mehr als vernünftigen Preisen.
Das ist nicht überall so, oft kann man nur die 2-Liter-Humpen mitnehmen,
und die Kosten dann gleich ein Mehrfaches an Pfand. Sehr nett und zuvorkommend
die Leute.
Wie schön sich das Bier eingießt … der Schaum ist eine
Parade, heller Kontrast zu dunklem Bier, fein und fest, sahnige Struktur.
Mächtiges Volumen. Majestätischer Stand. Darunter ein DUNKLES,
das den Namen streng genommen eigentlich gar nicht verdient. Ein recht
klares, helles kastanienbraun mit orange-rot-braunen Schattierungen.
(Wieso ist das so klar?) Der Geruch ist trocken, sehr röstig, angenehm,
das Malz ist definitiv unter heißer Flamme veredelt worden. -
- Täusche ich mich, oder dringt etwas Bananenfruchtiges leicht
verschämt durch? Buttrige Impressionen tauchen auf jeden Fall auf.
Wow. Das hat Klasse. Die Röstaromen sind beeindruckend. Umgarnen,
umrunden, liebkosen jeden Geschmackspartikel. Geröstete Maronen
treffen auf harig-röstig-nussige Aromen. Eine Spur gerösteter
Schinken taucht sogar auf, ganz im Bamberger Erbe; und das sehr gelungen.
Trockene Haselnussnuancen zergehen weich am Gaumen. Vielleicht könnte
die Kohlensäure eine Spur dezenter eingestellt sein. Das wäre
hilfreich. Nicht wirklich übertrieben, nimmt sie dem Geschmack
doch einen Spur an Entfaltung. Beachtlich, was dennoch durchkommt. Der
Hopfen nussig, in Ansätzen schwach harzig, feinbitter und elegant
in seiner Trockenheit. Das Malz in seinem Röstmalzkleid bewegt
sich harmonisch und musikalisch. Ganz weit hinten taucht eine Brombeernote
auf, trocken, leicht erdig, herb. Als Untermalung, nicht geschmacksprägend,
aber anreichernd. Ein kompaktes und zugleich vielschichtiges Bier. Der
Geschmackskörper dezent aufgebaut, kräftig im Ausdruck, feingliedrig
im Charakter, schwungvoll, zurückhaltend, dynamisch, bodenständig.
Tolle Mischung. Einerseits fast kühl in der Ausstrahlung, dabei
klassisch und elegant, stilvoll, auf der anderen Seite sehr markant
und ergreifend. Alleine diese trockene, nussig geprägte Hopfeneinfassung
beeindruckt. Dabei steht sie im Schatten des Malzes, das in seiner röstigen-schinkenartigen
durchaus in Bamberg beheimatet sein könnte, zumindest verwandt.
Aber das ist noch nicht alles an Internationalität. Ein weiterer
wichtiger Faktor ist ein Hauch Mokka, der frisch geröstet und trocken
im Raum steht und beide Seiten küsst. Sprachen wir schon vom Wasser?
Fest, voller Halt, weich, griffig. Die Kohlensäure nimmt Fahrt
auf, gefällt. Die Süffigkeit ist hoch, geht aber im Aromasturm
fast unter. Eine keksuntermalte Karamellnote taucht noch auf. Das Malz
ist klasse. Der Hopfen begeistert. Dennoch besteht eine gewisse Distanz.
Der Trinker kann sich diesem Dunklen nicht bis an den Rocksaum nähern.
Dazu ist dieses Gebräu einfach zu edel und überlegen, klassisch.
Tolles Bier. Zum dritten Male verblüfft der Braumeister extrem.
Der Junge muss sich seine Hörner schon lange irgendwo anders abgestoßen
haben. So einfach taucht man nicht aus dem Nichts auf und braut solch
ein Bier. Oder doch?! Wenn ja, dann ist dieser Bursche ein Riesentalent.
Diese Balance zwischen zurückhaltenden Aromen und schwungvollen
Einflüssen, das Zusammenspiel zwischen traditionellen Elemente
und modernem Anspruch, dieser ehrliche, unverbogene, authentischer,
natürliche Geschmack. Langenlois. Provinzstadt auf Weltstadtbierniveau.
Das kann kein Zufall sein.
Fazit: Aus dem Nichts
Wertung: + + + + + - [t
01/11]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Malz, Hopfen, Hefe
Im Internet unter:
www.fiakerwirt.at