Flying Dog Raging Bitch Belgian-Style India Pale Ale (8,3%) 0,355er-Flasche, seit 1670 aus Frederick in Maryland/USA:

Na toll. Ein amerikanisches Bier mit knapp 10 %. Der Schaum deutet darauf gar nicht hin, steht mit seiner Filigranität in einer ganz anderen Ecke. Das passt. Die Farbe ist ein bronze-kupfer-orange-rotes Braun. Edel, klar, elegant. Beim Geruch fehlen mir die Worte. Das ist so explosiv und intensiv, da verdrehen sich einem die Augen. IPA. Wer schon einmal ein gutes India Pale Ale getrunken hat, der weiß, welche Kraft Hopfen entwickeln kann. So. Nun stelle man sich das Ganze nochmals potenziert vor, und man landet weit entfernt von diesem Bier. Der Hopfen hat hier eine Strahlkraft ... es ist unglaublich.
Ingwer. Grapefruit. – Grapefruit. Ingwer. Ingwer. Grapefruit. – Grapefruit. Ingwer. Ingwer. Grapefruit. – Grapefruit. Ingwer. Ein paar erdige Wurzeln. Ingwer. Grapefruit. – Grapefruit. Ingwer. Ingwer. Grapefruit. – Grapefruit. Ingwer. Etwas harziges Malz. Ingwer. Grapefruit. – Grapefruit. Ingwer. Was ist hier los? Ingwer. Grapefruit. – Grapefruit. Ingwer.Was für eine Intensität. Holzige Aromen dringen kurz druch und stehen stramm und geradegerückt im Geschmacksraum.. Werden aber bald verscheucht durch Ingwer. Grapefruit. – Grapefruit. Ingwer. Weich und sanft das Wasser. Die Kohlensäure schmeichelt dem Gaumen bei jedem Schluck. Wie kriegen die Jungs diesen Geschmack zustande? Dabei sagt die Zutatenliste lediglich etwas über Wasser, Malz, Hopfen und Hefe aus – also absolut konform dem Reinheitsgebot von 1516. Wie kann ein Bier da solch ein Feuerwerk abbrennen? Ist da nicht vielleicht doch irgend ein künstliches Aroma, ein Zustatzstoffe eingebaut?! Nun. Es wäre unfair, das zu vermuten. Und es ist nicht das erste Mal, dass die Leute von Flying Dog mit ihren Erzeugnissen für eine Überraschung sorgen. Ob sie schon mal so groß war wie hier ... nun, das ist und bleibt die Frage. Ein selten intensives und dabei so elegantes und schlankes Aroma. Es verlangt dem Genießer alle Aufmerksamkeit ab. Als wäre es die natürlichste Sache der Welt, haut dieses IPA 8,3 Touren auf den Asphalt, ohne dabei auch nur im Geringsten aufdringlich zu wirken. Jeder Schluck ist leicht und flott. Der Abtrunk imponiert, saugt an, verwöhnt. Wie fatal. Die intensive Säure dieses Bieres wird durch eine harzig-süße-ahornsirupartige Substanz im Zaum gehalten. Das reguliert. Es geht herrlich süß-sauer zu. Bitter-zuckrig-herzhaft. Das Fruchtige ist so intensiv und selbstverständlich ... man hat den Eindruck, die Grapefruit selbst geschält zu haben. Orangenschalen fügen sich ein. Ein Schuss Nelke scheint durch. Dann kommen Limetten, die einem die Bitterkeit um die Ohren hauen und die Grimasse ins Gesicht treibt in einer Frische und Spritzigkeit, dass einem Hören und Sehen vergeht. Als Gegenpol fungiert das eher waldbodenartig-kriechende, wurzelig-modrig angesiedelte Ingwerfragment. Intensiv. Hintergründig. Mächtig im Hintergrund, verblüffend richtungsweisen, kommt man erst mal dahinter. Was für eine Mischung. Und alles passt so leicht und locker zusammen, als wäre diese Stammwürzezahl das Selbstverständlichste auf der Welt. Man fühlt sich zu keiner Zeit überfordert, nie tritt dieses Bier zu dominant auf und drückt den Trinker in die Ecke. Nicht für einen Moment fühlt man sich gaplagt. Nein. Alles fließt und läuft glatt. Jeder Schluck rinnt wie geölt hinab. Das liegt natürlich auch an dem extrem weichem Wasser und der Kohlensäure, die feinperlend auf der Zunge und am Gaumen tanzt. Man. Schmeckt dieses Bier genieal. Es zieht einem herrlich die Mundwinkel zusammen, um im nächsten Augenblick durch die harzigen Elemente entspannt zu werden. Der Hopfen kracht. Das Malz besänftigt. Ein Spannungsmoment von kaum vorstellbarer Größe. Entweder türken die Marylander komplett, oder sie verfügen über eine der besten Braustätten auf unserem Erdball. Ein überaus verblüffend schmeckendes Gebräu voller Farbenfreude, Spannkraft, Überraschungsmomenten und Qualität. Hut ab. Das ist wahre Größe. Und ganz ehrlich, stünde ich vor der Entscheidung, Seemann zu werden bzw. anzuheuern und wüsste, dass dieses Bier an Bord wäre, ich würde keine Sekunde zögern, mich einzuschreiben. So mild und verrückt zugleich. Was für ein guter Schluck.

Fazit: Der Hopfen kracht (der Rachen lacht)
Wertung: + + + + + + [t 01/11]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe