Föhrener Edelhell (? %) seit ? aus Föhren in Rheinland-Pfalz:

Die Hobbybrauereiszene ist lebendiger denn je. Im Internet kann man heute problemlos ganze Kleinbrauereien ordern. Auch an die notwendigen Zutaten zu kommen ist nicht schwer. So hat auch Markus J. den Versuch unternommen, sein eigenes Bier zu brauen. Abgefüllt in 0,33er Flensburger-Flaschen, versehen mit sehr gut gestaltetem Etikett, das auf den ersten Blick absolut professionell und traditionell wirkt.
Gebremste Schaumentwicklung. Wenig Volumen. Das mag an der Kohlensäure liegen … nur ein ganz verschämtes leises Zischen ersetzte das gewohnte PLOPP. Farblich im dunklen Gelb bis hellen Orange angesiedelt. Gleichzeitig schweben fein Partikel scheinbar schwerelos umher – klar, wer hat schon eine richtige Filteranlage!? Der Geruch ist in erster Linie sehr dezent und zurückhaltend, in zweiter Reihe hefig und dann malzig. Überraschend rein und klar, auf keinen Fall aufdringlich oder kantig.
OK. Gut. Also zuerst muss man sagen, man merkt diesem Trank an, dass hier noch keine Jahrzehntelange Tradition dahinter steckt. Das Wasser ist sehr rein und transparent, was dem Bier aber nicht wirklich gut tut, denn das Aroma hat ein bisschen Leere und Wässrigkeit im Programm. Die Zutaten verlieren sich ein wenig in eigenen Bahnen, finden nicht leicht zueinander, haben eine leichte Unreife an sich. Dazu gesellt sich eine leicht Säuerlichkeit, die von der Hefe herrührt, sowie eine Korkigkeit, die sich im Abgang malziger gibt. Vielleicht hätte ich im Vorspann nicht das Alt-Oberurseler Alt trinken, ein richtig gutes Bier, dem eine 4,5 zuteil geworden ist - - im Vergleich müsste man diesem Bier hier eine verheerende Wertung geben. Andererseits ist der Versuch an sich schon mehr als zu loben. Und Tatsache ist auch, dass, wenn man sich den Umständen bewusst ist und das Bier nicht im reinen Vergleich mit traditionellen Hausbrauereien sieht, der Geschmack zwar gewöhnungsbedürftig aber auch irgendwo zu verarbeiten ist. Für den Privatbereich sicher eine lustige Alternative und tolle Beschäftigung und ich wette, wenn man dann das erste Malz sein EIGENES Bier trinkt, dann ist das ein klasse Gefühl. Mit so etwas aber auf den Markt zu gehen, das wäre sicher etwas gewagt. Es ist halt doch ein Handwerk, das erlernt werden will. Trotzdem können wir den Versuch nur loben. (Wenn auch der Abtrank stockt. Nicht leicht zu trinken.) Vielleicht lag es ja auch an dem Postweg, der diesem Bier nicht gut getan hat.

Fazit: Hobbybrauerei M. Jostock
Wertung: n.m. [t 02/07]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe