Forstner Das Rote Vollbier (5,0 %) 0,33er-Flasche, Handbrauerei Gerhard Forstner, seit ? aus Kalsdorf in Österreich:

Welch tapfere und imposante Schaumpracht. Das hat Kultcharakter. Äußerst voluminös, dicht, fest und cremig. Edles Beige als Grundfarbe. Feinste Poren öffnen sich sachte. Darunter ein dunkel leuchtendes Rot mit braunen Schattierungen im Verbund. Sehr augenschmeichelnd und im Dunkeln mystisch schimmernd. Der rote Farbton entsteht laut Herstellerangabe aufgrund der unterschiedlichen Braumalze in Verbindung mit dem harten Wasser unserer Region. Ein röstiger Karamellmalzgeruch mit trocknen Hopfenspuren zeugt von breiter Aufstellung und Intensität. Tief atmet das Aroma. Holzig-harzige Einflüsse treffen auf trocken-ölige Hopfenelemente. Das riecht hervorragend! Zumal schokoladenähnliche, bzw. kakaobohnenartige Impressionen ebenfalls zu finden sind. Alle Achtung. Das hat Format.
All die bereits im Duftbereich geschilderten Elemente tauchen auch im Geschmack auf. Wenn auch anders gelagert. Nicht so edel-trocken und schokoladig. Im Aroma geschmeidiger, malziger, ausgewogener, weniger exotisch, raffiniert, experimentell; süffiger, glatter, nichtsdestotrotz eine Herausforderung. Das Wasser ist seidig, markant. Als „hart“ empfinde ich es nicht. Die Kohlensäure ist hervorragend auf die geschmacklichen Komponenten abgestimmt. Die Süffigkeit ist „barbarisch“ hoch. Man muss aufpassen, das kleingewachsene, zarte Fläschchen nicht mit einem Zug zu leeren … Das Bier ist glatt und flüssig. Ecken und Kanten sind im fremd. Es erinnert durchaus an ein Märzen, ist aber eher leicht und schlank aufgestellt mit einer dezenten Hopfennote. Leicht angesüßte Karamellfacetten treten auf. Mokkanoten arrangieren sich sehr weit hinten gut. Der Hopfen werkelt gediegen im Hintergrund, trägt durchaus seinen Teil zum gelungenen Aroma bei. Ein überraschend reif und erwachsen wirkendes Bier. Verzeihung; „überraschend“ natürlich nur, weil mir diese kleine, feine Brauerei bis dato noch kein Begriff war. Wahrscheinlich braut Gerhard Forstner schon ein halbes Leben lang gutes Bier. Und das nachweislich gut. Ich Pfeife habe es nur noch nicht entdeckt. Das Rote ist ein sehr süffiges, ausgewogenes, glattes Bier, das dennoch markante Aromen entwickelt und im Abtrunk durchaus edle Hopfenimpressionen entwickelt; nussig, trocken. Malz steht im Vordergrund. Die Süße ist zugunsten eines feinbittren Hopfens zurückgedreht. Dennoch entstehen Karamellnuancen. Nicht zu vergessen: eine dezente Kaffeeartigkeit. Die Hefe erzeugt eine dezente, mehlige Säuerlichkeit. Dumpf, gemütlich und frisch zugleich. Das Einzige, was man diesem Gebräu unter Umständen leicht ankreiden könnte, ist das etwas zu glatte und reine Geschmacksbild. Etwas mehr Hausbrauerei hätte es nach meinem Empfinden sein können. Dennoch ein mehr als gelungenes Gebräu, das manch Großem eine richtig lange Nase zieht. Schade, dass ich nur 0,33 Liter zur Verfügung habe, die, nebenbei bemerkt, leider bereits leer sind.

Fazit: Ein Bier ohne Ecken und Kanten
Wertung: + + + + - (t 02/10)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot: JA
Zutaten: Steirisches Trinkwasser, helles und dunkles Gerstenmalz, Karamelmalz, Aroma- und Cascadehopfen, frische untergärige Bierhefe
Im Internet unter: www.forstner-biere.at