Frischeisen 1181er (5,1 %) Privatbrauerei seit 1181 (!) aus
Kelheim in Bayern:
Holdrio. 1181! Kann das sein? Was ist dieses Bayern reich an unglaublichen
Bierkulturschätzen. Oder? Moment! Bei genauerem Hinsehen entdecke
ich: Stadt Kelheim 1181 bis 2006 = 825 Jahre. Das klären wir noch.
- - Der Schaum ist herrlich. Beige bis weiß in der Farbe. Sehr
fein. Verfügt über einen holden Stand. Und das Volumen drückt
Stolz und Stärke aus. Das helle Haselnussbraun wird angereichert
durch ein anregend glimmendes Rot. Der Geruch ist ruhig, unaufdringlich,
dezent. Brotkruste trifft auf erdige, trockene Eindrücke. Leicht
modrig bis staubig erinnert es im Hintergrund für einen Augenblick
an ein Kellerbier.
Der Antrank ist herrlich trocken, erdig, verfeinert mit warmen Kaffeearomen.
Eine Spur Stout ist vorhanden. Das Malz ist schlank, edel, markant und
scharf umrissen. Röstige, brotkrustenartige Impressionen unterstützen
den Geschmack. Etwas Gemüseartiges erkenn ich noch. Dezent und
weit hinten. Ungewöhnlich aber anreichernd. Primär tummeln
sich aber die röstmalzigen, leicht angekohlten, erdigen Aromen
unter sich und wirken sehr ansprechend, edel und intensiv. Bitterschokolade
und Mokka runden das Ganze noch ab. Sehr gekonnt. Sehr interessant wie
ungewöhnlich. Das ist kein Bier von der Stange. Das ist Braukunst
für die Nische. Weiter hinten zeigen sich noch ein bisschen Holunder
sowie herbe Heidelbeeren. Eigentlich ein schnell erklärtes Aroma.
Auf den ersten Blick. Die Faszination eröffnet sich bei konzentriertem
Trinken, fast zwangsläufig. Ein reichhaltiges, intensives, sehr
individuelles und anspruchsvolles Dunkles voller Überraschungen
und Höhen. Das hat Mumm und Charakter. Kein Bier für unachtsame
Schnelltrinker. Ein Gebräu für Kenner und Bierästheten.
Für Männer, die noch nach wahren Bierwerten suchen und nicht
nach schnellen Freuden. - - Dieses tiefgründige, warme Kaffeearoma.
Dieses Schokoladenartige, das sich in sanften Flocken und Kräuseln
aus dem Arome heraus schält. Warme, wohlige Impressionen dringen
sanft-drängend sich mit jedem Schluck klarer ins Hirn meiselt.
Das ist fast schon hypnotisch, tiefenpsychologisch. Jeder Schluck ist
ein sicherer Schritt in die Bierergebenheit. Herrliche Atmosphäre,
die dieses Bier ausstrahlt, die sich zwar erst nach einer gewissen Zeit
einstellt, dann aber umso mehr genossen werden kann. Nochmals: ein sehr
reiches und individuelles Aroma feinster Nuancen. Vollmundigkeit und
Tiefe werden genauso souverän verkörpert wie ein filigranes,
leicht fruchtiges, mokkahaltiges, warmes, breitespektrales Aromagebilde
feinster Nuancen. Zähe Schokolade, herrlich bittersüß,
zieht sich in langen Strängen durch den Geschmackssektor und inspiriert
ungemein. (Ich höre gerade Tool.)
Leicht rauchige, stark röstige, holzkohleartige Eindrücke
verbinden sich mit schwarzbeerfruchtigen Impressionen. Trocken. Erdig.
Kernig. Düster-schillernd. Sehr würzig auf eine enorm anregende
Weise. Das hat große Klasse, die sich mit jedem Schluck klarer
zeigt. Unheimlich aromatisch und anspruchsvoll.
Fazit: Nischenbraukunst
Wertung: + + + + + - [t
01/08]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen, Hopfenextrakt