Frischeisen 1181er (5,1 %) Privatbrauerei seit 1851 aus Kelheim in Bayern:

Angenehm hopfiger Duft. Voll und grasig. Sehr frisch. Auch etwa Heuartiges ist aus der Malzecke zu vernehmen. Das wirkt alles unaufdringlich, dezent, heimelig. Der Schaum ist cremig und fein. Das Gelb ist kräftig und klar.
Deutlich bitterer der Antrank. Holzigherb. Auch die Trockenheit ist recht ausgeprägt. Das Grasige ist ebenfalls stark zu schmecken. Das Aroma ist klassisch gegliedert und orientiert sich eindeutig am Hopfen. Eine trockene Bitterkeit ist diesem Bier nicht fremd. Das Grasige sorgt für Lebendigkeit und Frische. Die Zutaten haben eine angenehme Ausstrahlung und hohe Qualität. Das Wasser ist weich. Die Kohlensäure agil und rezent aber nicht aufdringlich. Die Vollmundigkeit ist gut. Der Körper wirkt klar und ausgewogen. Nicht sonderlich markant. De Geschmack orientiert sich am klassischen Beispiel und verfügt über ein reines, hopfiges Aroma, das unaufdringlich und anregend zugleich. Die Süffigkeit ist hoch. Ein ausgereiftes, homogenes, schwungvolles Bier, das sich hervorragend zur Entspannung und zum Sinnieren eignet. Kein Schnickschnack. Gerade Linien, kontrastreich und doch sehr gediegen. Ländlich-gemütlich.
Fazit: Ländlich-gemütlich
Wertung: + + + + - [t 05/08]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen
IM Internet unter: www.brauerei-frischeisen.de

Frischeisen 1181er (5,1 %) Privatbrauerei seit 1181 (!) aus Kelheim in Bayern:

Holdrio. 1181! Kann das sein? Was ist dieses Bayern reich an unglaublichen Bierkulturschätzen. Oder? Moment! Bei genauerem Hinsehen entdecke ich: Stadt Kelheim 1181 bis 2006 = 825 Jahre. Das klären wir noch. - - Der Schaum ist herrlich. Beige bis weiß in der Farbe. Sehr fein. Verfügt über einen holden Stand. Und das Volumen drückt Stolz und Stärke aus. Das helle Haselnussbraun wird angereichert durch ein anregend glimmendes Rot. Der Geruch ist ruhig, unaufdringlich, dezent. Brotkruste trifft auf erdige, trockene Eindrücke. Leicht modrig bis staubig erinnert es im Hintergrund für einen Augenblick an ein Kellerbier.
Der Antrank ist herrlich trocken, erdig, verfeinert mit warmen Kaffeearomen. Eine Spur Stout ist vorhanden. Das Malz ist schlank, edel, markant und scharf umrissen. Röstige, brotkrustenartige Impressionen unterstützen den Geschmack. Etwas Gemüseartiges erkenn ich noch. Dezent und weit hinten. Ungewöhnlich aber anreichernd. Primär tummeln sich aber die röstmalzigen, leicht angekohlten, erdigen Aromen unter sich und wirken sehr ansprechend, edel und intensiv. Bitterschokolade und Mokka runden das Ganze noch ab. Sehr gekonnt. Sehr interessant wie ungewöhnlich. Das ist kein Bier von der Stange. Das ist Braukunst für die Nische. Weiter hinten zeigen sich noch ein bisschen Holunder sowie herbe Heidelbeeren. Eigentlich ein schnell erklärtes Aroma. Auf den ersten Blick. Die Faszination eröffnet sich bei konzentriertem Trinken, fast zwangsläufig. Ein reichhaltiges, intensives, sehr individuelles und anspruchsvolles Dunkles voller Überraschungen und Höhen. Das hat Mumm und Charakter. Kein Bier für unachtsame Schnelltrinker. Ein Gebräu für Kenner und Bierästheten. Für Männer, die noch nach wahren Bierwerten suchen und nicht nach schnellen Freuden. - - Dieses tiefgründige, warme Kaffeearoma. Dieses Schokoladenartige, das sich in sanften Flocken und Kräuseln aus dem Arome heraus schält. Warme, wohlige Impressionen dringen sanft-drängend sich mit jedem Schluck klarer ins Hirn meiselt. Das ist fast schon hypnotisch, tiefenpsychologisch. Jeder Schluck ist ein sicherer Schritt in die Bierergebenheit. Herrliche Atmosphäre, die dieses Bier ausstrahlt, die sich zwar erst nach einer gewissen Zeit einstellt, dann aber umso mehr genossen werden kann. Nochmals: ein sehr reiches und individuelles Aroma feinster Nuancen. Vollmundigkeit und Tiefe werden genauso souverän verkörpert wie ein filigranes, leicht fruchtiges, mokkahaltiges, warmes, breitespektrales Aromagebilde feinster Nuancen. Zähe Schokolade, herrlich bittersüß, zieht sich in langen Strängen durch den Geschmackssektor und inspiriert ungemein. (Ich höre gerade Tool.)
Leicht rauchige, stark röstige, holzkohleartige Eindrücke verbinden sich mit schwarzbeerfruchtigen Impressionen. Trocken. Erdig. Kernig. Düster-schillernd. Sehr würzig auf eine enorm anregende Weise. Das hat große Klasse, die sich mit jedem Schluck klarer zeigt. Unheimlich aromatisch und anspruchsvoll.

Fazit: Nischenbraukunst
Wertung: + + + + + - [t 01/08]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen, Hopfenextrakt