Fuldabrücker Landbrauerei Dunkel (4,8 %) seit 1995 aus Fuldabrück-Dörnhagen in Hessen:


Diese kleine Hausbrauerei ist von der A 5 in der Nähe von Kassel leicht zu erreichen. Abfahrt Guxhagen nehmen, durch den Ort (schöner alter Klosterkomplex mit beeindruckendem romanischem Kirchbau) hindurch Richtung Dörnhagen. Dort findet man die Landbrauerei, in der zwei Sorten Bier, das Helle und das Dunkle, von Meister Hess eingebraut werden.
Ein sehr feinporiger, sahniger Schaum entsteht beim Einschenken. Enorm standhaft. Sehr voluminös. Tolle Farbe – kräftiges Beige. Man muss nur aufpassen, denn mit einem 2-Liter-Syphon (drunter gibt’s nichts) zu hantieren ist etwas anderes, als aus einer 0,5er Bombe einzuschenken. - - Satte, ebenholzbraune Farbe. Malziger, sanfter Geruch. Klar und rein, unaufdringlich.
Überraschend klarer und reiner Geschmack. Das Malz ist hier eindeutig führend und zeigt den Weg. Leicht röstmalzig und klar trocken entfaltet das Aroma einen klassisch malzigen Ton ebenso wie eine dezente Bittere. Die Hefe verhilft diesem Dunklen zu einer feingliedrigen Säuerlichkeit. Die Vollmundigkeit und Intensität ist für ein Hausbrauereibier OK, aber nicht wirklich bergeversetzend. Da gibt es deutlich gewichtigere Kollegen. Dennoch erfreut dieses Bier durch eine gute Süffigkeit, die vor allem von dem klaren und Störungsfreien und eher schlanken Geschmack herrührt als von Wasser und Kohlensäure, die sich auf befriedigendem Niveau bewegen. Es wirkt fast ein bisschen zu brav in seiner reinen Klarheit. Ein paar Ecken und Kanten mehr und der Ausdruck hätte ein Plus an Individualität und Kraft. Andererseits ist das hie ein Bier, das absolut trinkerfreundlich, fast neutral, auf jeden Fall mild und bekömmlich im Geschmack ist und keine Probleme durch irre Wendungen macht. Das lässt sich richtig gut trinken, flott und bequem. Das Malz, wie gesagt, eindeutig vorne, hat eine trockene und leicht röstmalzige Anmutung, wirkt transparent und glatt. Der Hopfen kommt vor allem im Abgang und verleiht der Sache dort eine feine Bittere, leicht holzig, die lange anhaftet. Eine leicht ätherisch-tannige Note kommt auch noch zum Ausdruck, vor allem dann, wenn man das Glas gen Mund hebt und für einen Moment Geschmack und Geruch miteinander verschmelzen. Kein überaus intensiver Geschmack, dennoch interessant und wohlig. Vor allem das röstige Malz und die elegant-trockene Darbietung brauchen sich keinesfalls verstecken. Leicht und schlank im Aufbau. Verbindlich in der Aussage.

Fazit: Hess’sche Braukunst
Wertung: + + + +* [t 09/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Gerstenmalz, Wasser, Hopfen, Hefe