Fullers India Pale Ale Bottle Conditioned (5,3 %) 0,5-Liter-Flasche, seit ? aus London in England:


… fangen wir mit dem Schaum an. Der ist gut gelungen, fein in der Struktur, straffe Optik, guter Stand, passable Ausdehnung. Rot-orange-kupfern leuchtendes Bernstein, klar mit zunehmender Trübung according to the abnehmenden Menge in der Flasche. Der Geruch ist IPA pur. Exterm in der Nase ziehend. Grapefruit, wohin der Zinken riecht. Süß-fruchtiger Ingwer hält lange an. Citrusfrucht an allen Enden. Nicht für sanfte Riechkolben. Für Würzeliebende aber eine Offenbarung. Mächtig intensiv.
Hoppla. Das ist herb. Hier muss man schon etwas abgebrüht sein, oder über eine gewisse Biertrinkerfahrung verfügen. Das ist dermaßen herb, bitter und citrusfruchtig … es zieht einem die Mundwinkel zusammen. Ich wette, dieses Bier könnte nach Indien und wieder zurück fahren auf einer alten Kogge, und es würde danach genauso schmecken, wie hier und heute. Schalen der Limone kommen vor. Grapefruit in sauerster Form. Wenigstens spritzig und erfrischend. Ein harzig-süßer Zuckerton untermalt alles und gibt dem Aroma ein Fundament und damit halt. Anis kommt noch vor. Und etwas Kräuterartiges, das an Medizin erinnert, an ein Heilöl mit viel Ätherik mit an Bord. Fichtennadeln sind in diesem Kontext auch noch ortbar. Ein wirklich anregender Geschmack. Nicht unbedingt als entspannendes Feierabendbier geeignet, dazu schmeckt es zu herausfordernd, zu spitz und scharf, ohne aber wirklich so zu wirken, es ist vielmehr dieser unbändige Geschmack, der einen in die Ecke treibt. Ursprünglich kreiert, um auf dem Höhepunkt des Englischen Truppen im schwül-heißen Indien zu erfrischen, fordert es dem Trinker im 21. Jahrhundert einiges ab. Müssen harte Hunde gewesen sein. Wasser und Kohlensäure bewegen sich auf gutem Niveau. Die Vollmundigkeit könnte nach hinten raus sicher noch eine Spur betonter sein. Insgesamt wirkt das Aroma aber recht gleichmäßig. In Sachen Abstimmung und Harmonie der Zutaten zeigt dieses IPA allerdings einige Schwächen. Der Geschmack ist phasenweise etwas fragmentiert, wirkt nicht wie aus einem Guss, vielleicht etwas überambitioniert. Schade. Denn man hat eigentlich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, hier wollte ein großer Konzern eine ruhige Kugel schieben. Vielmehr wirkt das Gebräu mutig, fast visionär, selbst für ein IPA äußerst rasant. Das hebt es ab. Aber durchgängig gleichmäßig abtrinken lässt es sich auf die volle Distanz nicht. Und das sollte ein Bier auf jeden Fall bieten, das zur Spitzengruppe gehören will. Somit kratzt es an dieser nur, immerhin. Interessant definitiv der Hauch Hefe, der mitschwingt und für ein IPA nicht unbedingt üblich und alltäglich ist, dem Ganzen zum Schluss dann doch eine gewisse Festigkeit, einen Halt gibt, was mich nun doch dazu veranlasst, eine halbe Stufe nach oben zu gehen.

Fazit: Harte Hunde
Wertung: + + + + - [t 10/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: k.A.
Zutaten: k.A.
Im Internet unter: www.fullers.co.uk