Günther-Bräu Bockbier (6,8 %) seit 1840 aus Burgkunstadt in Bayern:
Ich sag gleich zu Beginn, dass ich vor diesem Bier den grandiose Rossdorfer Bock getrunken habe. Eine Hausnummer, die zu den absolut besten meiner Testkarriere zählt. Da wird und kann es jedes andere nur schwer haben, dass im Anschluss verkonsumiert wird. Trotzdem drücke ich dem Günther-Bräu die Daumen.
Farblich schon mal deutlich dunkler eingereiht. Eher helles Bernstein. Der Schaum ist fein und überraschend standhaft. Der Duft spitzer, schneller, unruhiger.
Erleichterung. Schon beim ersten Schluck wird klar, dass es sich auch bei diesem Bier um einen Könner seines Fachs handelt. Hopfenbetont bitterer, etwas trockener und kühler im Aroma, wobei aber ein beachtliches Volumen erreicht wird. Wasser und Kohlensäure sind zweifelsfrei Meister ihres Fachs. Denen macht man so schnell nichts vor. Der Geschmack ist malzgeprägt. Der Hopfen ganzen eine leicht holzige Note, die nach hinten hin etwas bitter und nicht so flüssig und rund ausläuft, wie der Kontrahent von vorhin. Trotzdem hat man seine helle Freude an diesem Bock, denn die Süffigkeit stößt in Bereiche vor, die sonst nur guten Hellen reserviert sind, die aber, was Wunder, nicht die geschmackliche Dynamik dieses eben vor mir stehenden erreichen. Sehr frisch, fast spritzig, transparent im Auftreten, bitter-süß im Aroma. Das Bier wirkt sehr kernig, griffig und verschafft sich bald Respekt. Man nimmt es ernst. Vor allem dieses Leichtigkeit, dieses Ungequältsein, dieses selbstbewusste, gekonnte Auftreten, lassen diesen Bock sich abheben von so vielen anderen. Wie schlank und straff dieses Bier wirkt. Wie hölzern und unbeholfen sich so manch anderer Vertreter dieser Gattung doch darbietet. Gewitzt, ausgereift, hintergründig. So präsentiert sich dieser Trank. Eine Wonne, dieses Bier zu trinken. Und man ist wieder einmal verblüfft, was für grandioses Bier aus dieser in Sachen Braukultur weltweit einmaligen Region Oberfranken hergestellt wird. Da gibt es Brauereien, die sind kaum größer als die Abstellkammer der Großkonzerne. In anderen Ländern würde man über diese Stätten milde lächeln, so winzig sind sie. Und doch schwingt in diesen Mauern ein Geist, ein Können, mit dem sich nur die wenigsten messen Können. Da werden so viele hervorragende Biere ausgeschüttet, auf so kleinem Raum, geographische gesehen, da können manch andere Kontinente nicht mithalten. Wie schön, dass man das Glück hat, im Land dieses Bierwunders zu leben.
Das, was ich dem Bock der Günter-Bräu ankreiden möchte, muss, ist die etwas zu schwach ausgebildete Vollmundigkeit, die Tiefe des Aromas. Hier hat man das Gefühl, das Steigerungspotential vorhanden wäre. Zwar kann man nur verblüfft sein ob dieser leichtgänigen und herb-malzigen Präsentation. Aber der Kollege von eben hatte eindeutig mehr zu bieten. Das ist freilich schwer in der Bewertung wiederzugeben, denn wäre man konsequent und würde dem Rossdorfer die verdiente 6 geben und gleichzeitig die anderen Biere ins entsprechende Verhältnis setzen, so müsste man auf einen Schlag alle anderen um mindestens einen Punkt nach unten setzen, so groß, so riesengroß, ist der Unterschied. Besser wäre es da, die Wertung nach oben hin auszuweiten. Aber da wir uns nunmal auf gewisse Standards festgelegt haben, geht das nicht, und ich höre jetzt langsam mal auf zu labern, denn die Böcke beginnen nach und nach mit ihrer Entfaltung und treiben mich zur Mitteilsamkeit. Drum genug an dieser Stelle und auch hier ein Kompliment an die Braumeister, die mit diesem Bock ein weiteres sehr gelungenes Beispiel der fränkischen Brausezene kredenzen. Sehr gute 5.
Fazit: Die Mitteilsamkeit steigt
Wertung: + + + + +* (t 12/04)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen