G48, Flobart, Bière de garde, 9%, aus Winterthur in der
Schweiz
Vor mir stehen zwei geschlossene 33-cl-Bügelverschlussflaschen
Bier von der innovativen Winterthurer Bierschmiede G48. Auf der schmalen
Etikette, die über dem Verschluss klebt, entnehme ich die Informationen:
Flobart. Bière de garde. – Das Bier in der Art eines Ale
wird traditionellerweise in der nord-französischen Region Pas-de-Calais
gebraut. Die Biere im bäuerlichen Stil werden üblicherweise
im Winter und im Frühling eingebraut, um sicher zu gehen, dass
im Sommer keine unvorhersehbaren Probleme mit der Hefe bzw. mit der
Fermentation auftreten. Ich lese weiter. (...)Stammwürze 21%! Bzw.
9% Alkohol!(...) Du meine Güte!
Ich wage mich an die Flasche heran, reiße die Etikette auf und
betätige den Bügelverschluss. Der offenen Flasche entströmen
süße, intensive und konzentrierte Aromen von Äpfeln
sowie, im Hintergrund, eine parfümierende Hefenote. Der sepiafarbene,
seidige Schaum ist sehr expressiv in seiner Textur, hat unzählig
viele feinestporige Blasen und entwickelt sich zu einem Gedicht. Das
Bier riecht herrlich frisch-fruchtig und kernig, elegant-delikat und
äußerst komplex nach Cidre und Zucker mit flüchtigen
Noten von Hefe. Ich gestehe: Das Bière de garde genieße
ich aus einem dickbauchigen Rotweinglas – es schimmert in einem
äußerst dunklen und praktisch undurchsichtigen Mahagoni-dunkelbraun
und beinhaltet viele mysteriöse, rötliche Reflexe. Der Antrunk
ist – sehr vorsichtig ausgedrückt – erschlagend. Oder
andersrum gesagt: Er ist so, als hätte im Mund eine Bombe eingeschlagen.
Der nackte Wahnsinn! Das Bier hat eine durch und durch potente Rasse,
es fühlt sich ausladend gehaltvoll an, sowie vollmundig, kompakt,
unerhört intensiv und mit einer wohltuenden Extraktsüße
und angepasster Säure. Die extrem reichhaltigen, unterschiedlichen
und hochkomplexen Aromen sind schlicht genial. Je mehr ich am Glas rieche,
desto mehr Aromen tun sich auf. Das sind unzählig viele konzentrierte
Geruchsmomente. Das Aromenspektrum reicht von Kirschen und reifen Pflaumen
über Äpfel, getrocknete Feigen und Datteln und endet auf Noten
eines frischen Apfelweins. Es beinhaltet die vielfältigsten, balsamisch
anmutenden Malznuancen. Meine Nase ist im Würgegriff des Bieres:
Pfirsiche, Aprikosen, Schokolade ... flüchtige, feinste und mineralische
Röstaromen.
Yvonne und Peter Dürsteler-Severas Bière de garde ist unendlich
kreativ und spannend inspirierend umgesetzt. Geschmacklich kommt das
Bier klar daher, hat eine pralle Struktur, eine wärmende Fülle,
hat sehr viele herb-süß-trockene Komponenten, ist homogen,
druckvoll, absolut dicht, äußerst konzentriert und ein charmantes,
mediterranes Temperament kennzeichnet es. Im Gaumen ist das Bier schwergewichtig,
rund und weich und es lässt sich prächtig trinken. Die langanhaltenden
Aromen sind hochkomplex, enorm voluminös und unglaublich vielschichtig.
Allerfeinste, trocken-würzige Malznoten und Impressionen von Schokolade
mit Kirschen dominieren. Im Abgang wirkt das Bier zwar alkoholreich,
dennoch ist sein Geschmackspektrum durchaus sanft und absolut sinnlich
und harmonisch. Die jeweiligen Empfindungen wollen nicht aufhören.
Inzwischen merke ich, wie das Bier anfängt, von innen her zu wärmen.
Gut, wir reden hier gar nicht mehr über Bier im herkömmlichen
Sinn – wir sind klar in der Kategorie der Extrembiere. Für
mich ist dieses Bier bereits schon Kunst. Das ist Michelangelo. Gepaart
mit Andy Warhol. Das ist Bier-Design in Perfektion. Die zwei G48-Brauer
sind schlicht Architekten des Geschmacks. Sie sind zwei Ingenieure des
Genusses. Und das in purer Bescheidenheit. --- Ich befinde mich ganz
weit oben im Olymp des Bieres. Was soll ich da noch hinzufügen?
Ich meine, wie soll ein normal sterblicher Biertester dieses Wunderwerk
adäquat beschreiben können? ... Zwei flüssige Kunstwerke
habe ich getrunken. Oh mein Gott!
Fazit: Göttlich
Wertung: + + + + + + [i
12/08]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Nein
Inhaltsstoffe: Wasser, div. Malz, Haferflocken, Hefe
Im Internet unter: g48-biere@hotmail.com