Gaildorfer Fuhrmann’s Gold Zwickel (5,3 %) 0,5-Liter-Bügelverschluss-Flasche,
Brauerei Häberlen seit 1875 aus Gaildorf in Baden-Württemberg:
Fabelhafte Schaumbildung. Äußerst cremig, sahnig, feinporig.
Bestens anzusehen. Vehementer Stand. Beeindruckendes Volumen. Herrlich
anzuschauen. Drunter ein Orangebraun, das leuchtend und leicht trüb
äußerst delikat aussieht. Der Geruch hat viel Orange, weniger
Apfel, eine Spur Karamellmalz und wirkt im ersten Moment etwas lau und
gebremst. Ein zwickeltypischer, leicht kellerbierartiger Hauch liegt
in allem. Etwas Holzig-Grasiges findet sich auch noch.
Deutlich lebendigerer Antrank, als befürchtet. Sehr frisch und
spritzig bei beachtlich feingliedriger Kohlensäure. Der Geschmack
hat etwas hefig-fruchtiges an sich, das entfernt an gute Belgische Gebräue
erinnert. Holzig-orangenartige Impressionen sind anzutreffen, etwas
Mandarine und Aprikose, dazu nussig-holzige Mandelnoten. Sehr interessant.
Und kein Vergleich zum lau wirkenden Geruch. Das Aroma hat sehr viel
Fahrt und Lebendigkeit. Natürlich und bodenständig bahnt sich
der Geschmack seinen Weg. Das ist anspruchsvoller und natürlicher
Biergenuss höchster Kategorie! Mehlig-hefige Spuren tauchen auf.
Das Karamell des Malzes ist überraschend reif und mild. Ein Gebräu,
das weitaus näher an einem Hausbrauereibier ist, als an irgendeinem
Massengetränk. Individuelle, fein gezeichnete, ländlich-bodenständige
Noten bestimmen den Charakter. Urwüchsig und würzig. Handfest
und kernig. Die Vollmundigkeit ist nicht übermäßig hoch,
da fehlt dem Zwickel generell die Reifezeit, dennoch hat das Aroma enorm
viel Schwung und Ausdruck. Ein sehr typisches und authentisches, gleichzeitig
sympathisches Zwickel, das von seiner fruchtig-nussigen Auslegung sehr
gut lebt. Das kellerbiertypisch Modrige kommt gelungen zum Ausdruck.
Beerenfruchtiges taucht auf. Eine leichte Weinnote dezidierte darüber,
erinnert fast ein wenig an Champagner. Das ist sehr anregend und anspruchsvoll.
Eine äußerst gelungene Komposition. Eigen. Spannend. Anregend.
Individuell. Ein Bier, das man einerseits sehr flott trinken kann, weil
leicht und schlank, zum anderen lädt es aber auch zum Entdecken
ein, zum Entblättern der zahlreichen Aromaschichten, die schlussendlich
auch noch im Hintergrund einen dezent-säuerlichen Tabakton aufweisen.
Echt gelungen. Sehr exotisch. Klasse Bier. Und wenn dann am Schluss
auch der letzte Rest des hefigen Bodensatze mit ins Glas rutscht, gewinnt
der Geschmack nochmals an Klasse, wird ruhiger, nussiger, ausgewogener,
in der Hefe mehliger und mild-säuerlicher zugleich. Das macht richtig
Spaß zu trinken. Auch wenn die Vollmundigkeit für 5,3 Touren
sicher nicht überragend ist. Die Reife, welche dieses Zwickel bei
gleichzeitigem Facettenreichtum und farbenfrohem Erscheinungsbild an
den Tag legt, ist beeindruckend. Das schmeckt richtig gut und gelungen.
Kompliment!
Fazit: Zwischen Tradition und Exotik
Wertung: + + + + + - [t
04/11]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Quellwasser, Gerstenmalz und Hopfen