Gambrinus Premiumbier (5,0 %) seit 1869 aus Pilsen in Tschechien:
Klasse sieht die Flasche ja schon aus. Tolle Gestaltung. Edles Aussehen.
Nostalgisch. Dennoch will sich kein Wohlgefallen einstellen, diese selbstverständliche
Sicherheit und Freude, die einst allen Böhmischen Bieren sicher
war. Mittlerweile hat aber eine Rationalisierungs- und Investitionswelle
ausländischer Konzerne auch die großen Brauereien erwischt.
So ist das einstmals sagenumwobene Pilsner Urquell mittlerweile nur
noch ein Schatten seiner selbst. Wie es beim Gambrinus aus Pilsen, benannt
nach dem Schutzpatron des Bieres ist, das früher dermaßen
gut war, dass es einem den Hut gehoben hat, werden wir gleich sehen.
Äußerlich ist jedenfalls alles wie eh und je. Noble Gestaltung,
edles Aussehen.
Der Schaum ist ordentlich beieinander, etwas grobporig, der Stand ist
gut, das Volumen ansehnlich. Die Farbe ist sehr kräftig und intensiv
gelb, glasklar und satt. Der Geruch deutet eine leicht grobe Gerstigkeit
sowie ein unterschwellig auftretende Unreife an. Daneben viel Malz und
eine treberartig-mostige Note.
Leute. Ich mach’s kurz. Dieses Bier schmeckt dermaßen besch**,
dass es mir das Herz bricht. Hart. Unreif. Kantig. Lieblos eingebraut.
Was ist das für ein böser Traum hier? Da ist nichts mehr von
der einstigen Monumentalität, der Stärke, dem Selbstbewusstsein,
dieser Normalität in der Genialität. Ein Schatten seiner selbst.
Kümmerlich und unbeholfen. Hat man sich früher nach jedem
Schluck die Lippen geleckt und nach dem Leeren der Flasche mit größter
Hektik an die nächste herangemacht, so hat man mittlerweile Mühe,
die Pflicht überhaupt zu erfüllen. Und ich sage bewusst: PFLICHT,
denn Freude macht das hier keinesfalls. Ein kurz sternenförmiges
und ungeordnetes Aufflammen der Gerste verliert sich nach wenigen Augenblicken
im Bodenlosen. Danach bleibt Leere und Unreife. Das ist kein Fest, das
ist ein Begräbnis, und langsam verstehe ich die Kritiker, die immer
mal wieder schlechte Stimmung gegen die Böhmischen Biere gemacht
haben. Man war eine zeitlang blind. Man hat der Wahrheit nicht ins Gesicht
blicken wollen. Als jahrelanger Fan und Liebhaber der Böhmischen,
als einer, der noch die guten alten Zeiten miterlebt hat, als die Gebräue
die Speerspitze der Bierbraukunst waren, fällt es schwer, die Tatsachen
zu akzeptieren. Das ist so, als befinde sich der einst erfolgsverwöhnte
Lieblingsverein plötzlich im harten Abstiegskampf. Man möchte
es erst gar nicht wahr haben. - - - Gambrinus aus Pilsen. Einst bekam
die internationale Brauszene Angstschweiß beim Nennen dieses Namens.
Heute entlocke er nur noch ein müdes Lächeln. Das ist kein
Fest mehr, das ist eine Beerdigung. Über die Gründe mag ich
jetzt nicht sinnieren. Zu tief sitzt die Enttäuschung. Dieses war
einmal mein Lieblingsbier. Unglaubliche Entwicklung vom Vorreiter und
Wegbereiter hin zum Abstiegskandidaten. Man, ist das hart. Man, schmeckt
dieses Gambrinus übel. Was ist da nur passiert? Ein Schatten seiner
selbst. Saftlos. Kraftlos. Orientierungslos. Billig.
Fazit: Begräbnis
Wertung: + + [t 02/07]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Auszüge aus Hopfen
Im Internet unter: www.gambrinus.cz
PS: Dieses Bier bekommt eine eigene Wertung, denn es
ist nicht im Entferntesten in Einklang zu bringen mit dem alten. Dieses
IST ein anderes Bier.