Ganser Kölsch (4,8 %) 0,5er-Flasche Privatbrauerei seit 1879 aus Leverkusen in Nordrhein-Westfalen:


Elegante Erscheinung. Das Outfit hat ja fast schon etwas Weltmännisches. Erinnert jedoch einen Moment auch an geläufige Massenbiere. Famoser Schaum. Sehr schmuck und ausdrucksstark. Steht da, wie eine deutsche Eiche so fest mit seinen feinen Poren. Viel besser geht’s nicht. Das Gelb hat eine gute, dunkle. Interessante Schattierung, wirkt potent und tief, genauso klar. Ein gerstiger, leicht spelziger, malzgelenkter Geruch dringt in die Nase. Ein trocken-pudriger Hopfeneindruck hängt sich noch an, ohne aber für wirklichen Wirbel zu sorgen. Insgesamt spritzig und leicht citrusgeprägt.
Die Citrusnote findet sich sogleich auch im Antrank wieder. Das Gerstig-Spelzige ebenfalls. Insgesamt recht leicht und frisch. Die Gerste vielleicht etwas auf zu leichtem Fuß, ohne dabei aber zu hinken. Die Harmonie dieses Kölsch ist gut und gelungen, die Zutaten passen und finden zueinander, wirken einheitlich. Obschon vor allem zu Beginn in seiner etwas zu offenen Spelzigkeit etwas unreif wirkt. Der Geschmackskörper ist für diese Stammwürzekategorie eher schlank aufgebaut. Die Süffigkeit ist überdurchschnittlich hoch bei angenehmem Wasser und durchaus rezenter Kohlensäure. Karamellspuren lassen sich zu Beginn und im Finish finden. Der Hopfen steuert eine zurückhaltende Bittere hinzu. Ein Bier, das keine Probleme bereitet und nicht ständige Konzentration erfordert. Leicht und luftig aufgestellt, findet der Trinker raschen Zugang. Es ist leicht und flott zu trinken. Herausfordernd ist es aber nicht. Das Aroma bietet keine Überraschungen. Macht seinen Job ordentlich. Jedoch finden sich keine Momente, die innehalten oder nachdenken, nachhaken lassen; gut, das ist auch nicht immer gewünscht, manche suchen ja gerade das: die rasche und gleichzeitig pflichtbewusste wie vollumfängliche Erledigung in kurzer Zeit. Das kriegt man hier hin. Das Ganser fließt unheimlich leicht und rasch. Der Geschmack stellt sich nicht in den Weg sondern schwingt mit. Fordert nicht heraus. Beschwichtigt.
„Aufleben mit Ganser-Kölsch. Die Liebe der Familie Ganser gehört seit 1879 dem Bier und seiner rheinischen Heimat.“
Das dieses Bier aus Leverkusen übrigens Kölsch genannt werden darf, hat einen gewissen historischen Grund, denn ich noch nachtragen muss. Ganz wenige Braustätten außerhalb Kölns dürfen sich die Kölschkrone aufsetzen. So auch Ganser. - - Nun. Eine 4 kann man sicher noch geben. Auch aufgrund der Natürlichkeit in der Ausstrahlung des Aromas. Man spürt, dass hier kein Massenprodukt im Glas hockt, sondern Handgemachtes. Geschmacklich gibt es aber im Bierland Deutschland einen ganzen Schwung, der mehr vom Hocker haut. Auf der anderen Seite strahlt dieses Kölsch eine gewisse Ruhe aus, die zwar aufleben lässt, aber auch gediegen ist. Nun. Jeder soll sich hierzu seine eigene Meinung machen. Ganser schon getrunken?

Fazit: Rascher Zugang
Wertung: + + + + [t 05/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt