Gasthausbrauerei Nolte Dunkel (4,5 bis 4,8 %) 1-Liter-Bügelverschluss-Flasche,
Gasthausbrauerei und Brennerei NOLTE, Dahlenberger Landstraße
102, Gründungsjahr 1906 aus Lüneburg in Niedersachsen:
Liebevoll und edel gestaltete Flasche. Das „Schwarz auf Weiß“
macht sich richtig gut und lässt das urige, historische zur Geltung
kommen. Man darf nicht vergessen: Lüneburg ist die vielleicht am
besten erhaltene Hansestadt überhaupt. Glücklicherweise hat
diese Stadt im Krieg fast nicht gelitten. Man fühlt sich direkt
ins Mittelalter zurück geschossen. Möge Lübeck die Krone
sein, Stralsund berühmter, Wismar die höheren Kirchen haben,
Hamburg größer sein und Bremen nobler … für mich
hat Lüneburg die größte und mächtigste Ausstrahlung.
„In unserem Hause wird streng nach dem deutschen Reinheitsgebot
aus dem Jahre 1516 gebraut, d.h. das Bier wird unter Verwendung von
Wasser, Malz, Hopfen und Hefe hergestellt. Es ist ein Naturprodukt und
wird nicht gefiltert. So hat es noch alle Bestandteile und Vitamine,
die ihm sienen typisch süffigen vollmundigen Geschmack verleihen.“
Feiner, cremiger, fester Schaum baut sich auf und schraubt sich in beachtliche
Höhen. Das Volumen ist imposant. der Stand beeindruckend. Der Geruch
ist verführerisch. Eine geniale Mischung aus sanftem Röstmalz
und zuckriger Karamellsüße laden zum schwelgen ein. Ein Schimmer
Hefe im Verbund mit Haferflockenartigem gibt dem Ganzen eine ruhige,
reife, bekömmliche Note.
Säuerlich-hefiger Antrank mit deutlichen Spuren von Holzkohle.
Intensive Sache. Keine Frage. Schwarz. Kohlig. Leicht verbrannt. Brotkrustenartige
Impressionen wirken leicht angekohlt. Sehr griffig und firn. Fruchtige-ölige
Komponenten tauchen auf. Schwarzbeeren. Lakritz. Brombeeren. Heidelbeeren.
Recht scharf und drängend. Nussige Einflüsse sind schwächer,
als zunächst gedacht. Das Säuerliche der Hefe ist überdurchschnittlich
betont. Hefig-Haferflockenartige Impressionen tauchen immer wieder auf.
Das Röstige des Malzes ist stark, fast ein bisschen übertrieben,
wird aber am Ende doch wieder eingefangen und eingegrenzt. Im Mittel
wirkt dieses Dunkle mild. Eine beachtliche Schärfe legt sich zu
Beginn auf das Aroma. Mit der Zeit vergeht das, dennoch verbleibt der
Eindruck über die volle Distanz. Die Süffigkeit ist angemessen,
bricht aber keine Rekorde. Das Wasser ist angenehm, die Kohlensäure
ist mir einen Hauck zu rezent. Das Aroma ist ungewöhnlich und intensiv,
eigen, individuell, prägend. Kein Bier, das man mal eben weg haut,
eher ein Trank der fordert und beschäftig. Leicht teerartig. Die
Lakritznuancen sind nicht unerheblich, auch leicht ölig. Nicht
ganz so geschliffen und rasant wie die beiden anderen Gebräue.
Dennoch sehr typisch, urig, individuell und anders. Kein Bier von der
Stange. Nichts, was man an jeder Ecke bekommt. Ein Dunkles mit Seele,
man schmeckt sofort, dass hier kein Massenproduktion dahinter steckt,
sondern Individualismus und Herzblut. Wenn die Verantwortlichen sich
noch dazu aufraffen können, das Interieur etwas zeitgemäßer
zu gestalten, dann wäre die Gasthausbrauerei Nolte nicht nur ein
Geheimtipp, sondern ein ganz großer. Das Brotkrustenartig-Säuerliche
macht sich gut. Das Aroma hat aber einen gewissen Anspruch. Links neben
her vorbei trinken ist nicht. Man muss sich doch etwas konzentrieren.
Wie auch die Altstadt Lüneburgs. Das nimmt man nicht im Vorbeigehen
mit. Das muss man sich ganz genau anschauen. Röstig. Schwache Mokkaspuren.
Das Säuerliche geht gekonnt über in das Haferflockenartige
und verbündet sich mit dem Hefigen.
„Wichtige Hinweise zur Pflege und Haltbarkeit: Um Bier überhaupt
für einen begrenzten Zeitraum haltbar machen zu können, muss
es u.a. pasteurisiert, sprich kurz „hochzeiterhitzt“ und
„gefiltert“ werden. Unser Bier in den Siphons dagegen ist
natur belassen und nicht gefiltert. Es bleibt dadurch – verglichen
mit Frischmilch – auch gekühlt nur befristet haltbar. Es
kann bei Überschreitung der Haltbarkeit oder unsachgemäßer
Handhabung, z.B. Erschütterungen oder ungekühlter Lagerung,
zu explosiven Reaktionen des Siphons aufgrund von Gärungsprozessen
und dem sich daraus entwickelnden Überdruck kommen. Vermeiden Sie
deshalb größere Temperaturschwankungen und lagern Sie es
stets bei ca. 4 Grad Celsius im Kühlschrank. Die optimale Schank-
und Trinktemperatur beträgt 8 Grad Celsius. Bei dieser Temperatur
entwickelt unser Bier sein volles Geschmacksvolumen und die beste Kohlensäureentbindung.
Angebrochene Siphons wieder verschließen, gekühlt lagern
und den Inhalt nach zwei Tagen verbrauchen!“
Am Ende leider etwas zu sauer. Nicht ganz so hochwertig, wie die andren
beiden Biere. Für den Ottonormalverbraucher sicher etwas zu anspruchsvoll.
Für den konzentrierten Genießer auch nicht ganz leicht. Knarzig-säuerlich.
Man muss ein wenig kämpfen.
Fazit: Bier Nr. 5.600 !
Wertung: + + + + [t 09/10]
-Lüneburg-
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Malz, Hopfen, Hefe
Im Internet unter:
www.gasthausbrauereinolte.de