Gilden Kölsch (4,8%) seit 1296 aus Köln:
Im Vergleichstest mit Dom Kölsch weist es das weicherer Wasser und rundere Formen auf. Es ist ausgewogener und läßt sich glatter trinken. Dafür hat es eine etwas gewöhnungsbedürftige Tendenz hin zu etwas stark Blumigem. Auch Anis kann man entdecken. Es erinnert im Abgang leicht an Hustensaft. Gilden Kölsch ist süßlicher und malziger als das Dom. Dieses Kölsch ist verspielter und blumiger. Es läuft weich und rund, vorausgesetzt, man mag aromatische, fast schwülstige Biere. Eigentlich mag ich diese Sorte. Aber mit diesem hier kann ich mich nicht so recht anfreunden. Zu sehr beschränkt es sich auf eine Handvoll dieser eigenartigen Aromastoffe. Schafft es nicht, auch mit der Vielfalt zu verblüffen, nicht nur mit dem Schrägen des Geschmacks. Es hat etwas leicht Dumpfes an sich. Wirkt belegt und etwas dickflüssig. Was diesem fehlt ist die Süffigkeit. Es erstickt beinahe in karamelartigen Note. Man schluckt ständig ein zweites Mal nach, weil man das Gefühl hat, es ist noch nicht alles unten. Dabei ist es eiskalt und frisch. Und genau die nötige Frische kann es nicht produzieren. Man kann sagen, es ist fast zu vollmundig. Sicher. Beide kann man bedenkenlos bestellen. Selbst als Nicht-Köllner. Aber den Stolz, mit dem die Kölsch-Biere zur Schau getragen werden, verstehe ich mittlerweile nicht mehr ganz. Man hat ja bei diesem Begriff ein fast ehrfürchtiges Aufblicken an sich. KÖLSCH. Das kennt die ganze Welt. Aber nun habe ich wirklich schon ein paar getrunken. Und der Nabel der Bierwelt ist Köln sicher nicht. Vielleicht ist es deshalb so, dass die Köbes nur 0,2er Stifte austeilen. Vielleicht verbreitet sich so das Aroma nicht zu stark!? Trotz allem brauen die Jecken schon gute Stöffchen. Wenn mir das Gilde auch etwas zu theatralisch ist. Wenn ich die Wahl hätte zwischen Gilde und Dom, ich entschiede mich fürs Dom. Knapp an der 4 vorbei.
Fazit: Dom über Gilde
Wertung: + + + - (t 08/02)