Glückauf Karl May Festpils (4,9 %) seit 1880
aus Gersdorf in Sachsen:
„... wir trinken keinen Schnaps. Habt Ihr denn kein Bier?“
„Sehr gutes sogar.“ „So bringt zwei Töpfe voll;
aber groß müssen sie sein!“ Sie bekamen das Verlangte.
Hammerdull setzte das Glas an und trank es in einem Zuge aus. Als Pitt
Holbers dies sah, leerte er das seinige auch bis auf die Nagelprobe. „Was
meinst du, Pitt, wollen wir nochmals eingießen lassen?“ „Wenn
du denkst, Pitt, dass wir nicht daran ersaufen, so habe ich nicht dagegen.
Es schmeckt besser als Savannenwasser.“
- Old Surehand III“ 1895
Karl May Premium-Pils. Gebraut anläßlich des 150 Geburtstages
von Karl May 1842 – 1992.
Na wenn das mal keine gute Idee ist. Karl-May-Bier. Alleine dafür
gehört den Gersdorfern ein Orden. Nur schade, dass man nicht erfährt,
wo er geboren wurde. Auch in meinem Lexikon steht nichts. Soweit ich weiß,
war er Sachse. Würde passen.
Sehr frischer, angenehmer Hopfenduft. Der Schaum ist gigantisch und kriegt
die volle Punktzahl. Die Farbe ist recht hell und wird durch feine Perlenreihen
vertikal durchschnitten.
Erfrischender, spritziger, spielerischer Antrank. Dieses Pils hat eine
interessante Note. Der Hopfen geht in eine recht süße, nicht
blumige oder opulent-parfümartige, sondern sehr schlanke, fein-süße
Richtung. Das wirkt sehr eigen und originell. Man ist beim ersten Schluck
zwar etwas überrascht, findet sich aber aufgrund des guten Geschmacks
schnell mit dem Aroma ab. Der Mittelteil kann die Vollmundigkeit des Antranks
nicht ganz halten. Der Abgang ist hopfig-herb, hält lange an und
hat auch diesen leicht süßen Hauch, jedoch nicht so ausgeprägt
wie zu Beginn. Die Rezenz ist recht hoch, die Kohlensäure eher aktiv
als zurückhaltend. Das Wasser ist weich. Wirklich interessante Sache.
Ein Aroma, das sich klar von den Durchschnittspilbieren abhebt. In seiner
Verspielheit und süß angehauchten Ausdrucksform ist es sicher
nicht jedermanns Sache. Der klassische Pilsliebhaber wird wohl seine Problemchen
mit diesem Typ haben.
Nachteilig wirkt sich das etwas kühle und ausdruckslose, das sich
durch die Geschmacksphasen zieht. Nicht wirklich schlimm aber doch etwas
zu kraftlos, um restlos zu überzeugen. Auch einen leichten metallischen
Nachgeschmack im Abgang kann man feststellen. Klar positiv fällt
natürlich die ganze Idee nebst Aufmachung ins Gewicht sowie dieses
individuelle schon angesprochene Aroma. Vor allem der Hopfen tut sich
hervor. Auf jeden Fall mal was anderes. Auch das Wasser macht sich gut.
- - - Hups. Eben entdecke ich am Glasboden Schwebstoffe. Im ganzen Bier
schwimmen die herum. Die sollten da eigentlich nichts zu suchen haben.
Das macht sich nicht gut und verdirbt einem natürlich den Genuss.
Haltbar ist es noch. Tja. Was soll man sagen? Kommt dieses süßliche
vielleicht daher? Oder wirken sich die Partikel gar nicht auf den Geschmack
aus? Hätte ich diese nicht entdeckt, in einem Steinkrug zum Beispiel,
hätte ich eine 4,5 gegeben. So gibt’s einen halben Punkt Abzug.
Fazit: Zu viele Schwebstoffe
Wertung: + + + + (t 09/04)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen, Hopfenextrakt
PS: Vielen Dank an Frau Schüttoff, die uns mit bei
der Besorgung der Glückauf-Biere maßgeblich behilflich war.
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