Goss-Bräu Märzen (5,5 %) Privatbrauerei seit 1863 aus Deuerling in Bayern:

Als Mann kann ich mir bei dieser Hitze nur wenig attraktivere Dinge vorstellen, als eine 0,5er Bombe eiskalten Bieres, außen schön beschlagen und saftig. Das hat etwas Paradiesisches. Ähnlich bezaubernd das Spektakel beim Einschank, hellbraun-rötliche Flüssigkeit wird durch feine Bläschen wild durcheinander gewirbelt, nach geraumer Zeit beruhigt sich die Szene, das Bier wird klar, stark, ruhend.
Der Schaum ist sicher nicht perfekt. Das Volumen nicht ausreichend. Die Poren zwar fein, aber ein wenig mehr könnte nach diesem Aufruhr schon übrig bleiben. Der Geruch hat neben dem obligatorischen Malz noch einen Schuss Whisky sowie Schinken im Programm. Leicht rauhig. Interessant.
Zack. Das sitzt. Bier aus familiärem, dörflichem Umfeld. Das wird sofort klar. Enorm süffig. Das Wasser ist ein Labsal. Die Kohlensäure phantastisch weich. Das Malz von einer Frisch und Fruchtigkeit, versehen mit einem Drängen, dem auch Zurückhaltung innewohnt. Der Hopfen, der sich vor allem am Ende mit viel Elan mit in die Vorstellung bringt. Das hat schon was. Und über allem dieser Hang zum bürgerlichen, normalen, handgemachten. Wenn jemand noch nie ein Bier aus einer Hausbrauerei getrunken hätte – er wüsste mit einem Mal, was Sache ist, es würde ihm hier wie Schuppen von den Augen fallen, erkennen, was Bier eigentlich sein kann. Die Bekömmlichkeit, die dieses Bier erreicht, ist alleine schon höchstes Lob wert. Die Harmonie der Zutaten und das Zusammenspiel mit dem Wasser ist virtuos. Es steckt viel Kraft in diesem Bier, immerhin hat es 5,5 Umdrehungen, aber diese Stärke präsentiert sich sehr zurückhaltend, fast vorsichtig. Auch die Natürlichkeit, diese Normalität im Geschmack – fabelhaft. Und trotz dieses bodenständigen Auftretens weckt jeder Schluck Urinstinkte, weil jeder Zug Bereiche anspricht, die normalerweise brach liegen. Es ist anspruchsvoll und anregend sowie bürgerlich und bodenständig zugleich. Es gereicht dem Gourmet und befriedigt den kauzigen Dorfbewohner. Was für eine herrliche Mischung. Hier treffen Welten aufeinander und verschmelzen zu einem einzigen großen Genussseufzer. Das Malz am Anfang her und stark, später kommt der Hopfen süßlich, leicht parfümartig und ölig zur Höchstform. Stark.

Fazit: Bier in Topform
Wertung: + + + + + - [t 07/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Brauwasser, Malz, Hopfen