Granicum Dunkel, 5,1%, seit 2004 aus Grenchen in der Schweiz

Nun das Dunkle aus Grenchen. Auch hier: Edle Aufmachung der Flasche. Botticellis Venus und Michelangelos David harmonisch vereint. Ja, so kunstvoll kann eine Bieretikette aussehen. Nach dem Öffnen des Bügelverschlusses bemerke ich die süßen, sherryartigen Aromen. Ein umwerfendes Rotbraungelbkastanienbraun funkelt in mein Glas. Eine imposante Schaumbildung. Der Schaum hat einen komplexen Aufbau, ist feinporig, leicht beige und knistert angenehm. Ich rieche daran: Frische Aromen von Gerste, ätherisch, mit flüchtigen Schokoladenoten und Kaffeeimpressionen. Überdies Zuckerwatte, Hefe, Haselnuss, Südseefrüchte, süße Schokolade, Erdnussbutter, Erdbeeren sowie etwas Vanille. Der Ansatz ist kernig. Ausgeprägte Gerstearomen entfalten sich im Mund. Das Bier ist vollmundig und auf dem Gaumen offenbaren sich Haselnussaromen, es hat eine schöne Balance zwischen dem geröstetem Kristallmalz und dem Aromahopfen, der Abgang ist mittellang und nach dem letzten Schluck manifestiert sich in der Gurgelgegend eine überraschende Süße, welche das finale Empfinden bestimmt. Karamellartige Impressionen. Der Hopfen ist fein dezent mit eingebunden. Das Bier fließt prächtig in satten Zügen; die Süßigkeit, die Vielfalt aller Aromen und die Hopfenbitterkeit sind eine unendliche Bereicherung für die Geschmackssinne. Im Nachklang wieder diese Hopfenherbe, welche wiederum zuerst dezidiert im Ausdruck ist, um dann in der Sequenz harmonisch nachzulassen. Auf alle Fälle ist sie bleibend. Ein sehr interessantes Bier: Ausdruckstark, individuell, differenziert, komplex und vielfältig in der Aromenstruktur, speziell, urtümlich, trocken, echt, mit einer klar definierten Persönlichkeit und ohne Schnickschnack. Erinnert mich sehr stark an britische Pendants. An ein Nut Brown Ale. Ein gut gemachtes, leckeres, frisches, bekömmliches, grundehrliches Dunkle, welches durch und durch zu gefallen weiß und wieder mal klar macht, was ein lokales Bier bedeutet. Ich kann’s mir nicht verkneifen: Am Schluss der Probe musste ich bei beiden Flaschen noch einmal mit den Lippen die letzten Tropfen hinaussaugen. Schlimm, ja?

Fazit: Schmeckt verdächtig nach Nut Brown Ale
Wertung: + + + + -* [i 05/07]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Im Internet unter: www.granicum.ch
PS: Herrn Lötscher nochmals vielen Dank für die zwei Testflaschen.