Grimbergen Blonde (6,7 %) 0,33er-Bügelverschluss-Flasche, Gründungsjahr ? aus Waarloos in Belgien:

Dunkles, kräftiges, am Anfang klares Gelb mit hellen Brauntönen verschönert. Der Schaum cremig, für diese Stammwürzeklasse gut aufgebaut. Weißweinartig-fruchtiger, sektähnlicher Geruch. Farbenfroh und stimulierend. Wenn auch für den klassischen Bierliebhaber in seiner herb-fruchtige-süßen Ausstrahlung sicher etwas gewöhnungsbedürftig. Herb-Frisches kommt durch das Fruchtige, in erster Linie helle Trauben und Johannisbeeren, durch.
Die Hefe spielt eine viel größere Rolle, als im Duft. Markant, griffig, leicht mehlig, herzhaft. Im Verbund eine traubenartige Fruchtigkeit, hell, dezent in der Säure, bitter-fruchtig in der Ausstrahlung, natürlich und eigentlich mild, wenn auch eine grundsätzliche Wildheit im Geschmack herrscht, eine willkommene, die aber nie ungeordnet wirkt. Eine nicht unerhebliche Malzsüße trägt einiges zum Gelingen bei, vielleicht etwas stark betont, aber in jedem Falle attraktiv. Wobei dem Finish etwas mehr Herbe wohl nicht schlecht zu Gesicht stünde. Der Sekteindruck ist Stark. Ein leicht korkiger Hauch unterstreicht das. Dann tauchen noch Aprikosen und Mirabellen auf, sehr authentisch und greifbar, natürlich und ausdrucksreich. Das Zuckrige ist sehr stark. Eben sehe ich, das auch genau dieses: Zucker – auf der Zutatenliste steht. Gut. Das ist zwar nicht reinheitsgebotskonform, aber definitiv in der großen weiten Bierwelt nicht unüblich. So entsteht ein spannendes Spiel zwischen sehr süßen und durchaus bitteren Momenten des Hopfens, dazwischen pendelt die Fruchtigkeit. Das hat was, ist anregend, aromatisch anspruchsvoll. Sicher nichts für konservative Biertrinker. Nach Pils oder Hellem schmeckt das Grimbergen Blonde nicht viel. Die Süße ist sehr ausgeprägt. Das Weinartige ist vielleicht nicht Jedermanns Sache. Das Fruchtige in Kombination mit der Hefe ist gewöhnungsbedürftig. Aber das sind ja die meisten Belgischen Biere, wenn man es aus einer gewissen Perspektive betrachtet, und genau darauf kommt es an, auf die Perspektive; man könnte auf diesem Gebräu herumhacken: es schmeckt nach Sekt, es schmeckt nach Zucker, es schmeckt nach Weißwein, es schmeckt nach Mirabellen … es schmeckt nicht nach (konservativem) Bier … gut, das könnte man, aber das wäre kleinkariert und engstirnig. Sicher schmecken diese Biere gewöhnungsbedürftig. Aber ich bin froh, dass es sie gibt. Immerhin stehen die Belgischen für eine einmalige Bierkultur: keine Nation auf dieser Welt brachte/bringt eine größere Sortenvielfalt hervor, als die Belgier. Chapeau!

Fazit: Perspektivisch
Wertung: + + + + - [t 09/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Malz, Hopfen