Grohe Pils (4,8 %) seit 1838 aus Darmstadt in Hessen:
Von Außen betrachtet sicher nicht der Bringer. Die Gestaltung
ist etwas hausbacken, andererseits fast schon wieder kultig, dieser
Mut zur Kontinuität. Im Glas macht das Bier eindeutig eine bessere
Figur. Feinporig, cremig. Tolles Volumen. Spitze Stand. Das Gold-Gelb
leuchtet satt in der Sonne. Ein blumig-hopfiger Duft mit überraschend
intensiven süßen Ansätzen umweht die Nase. Mild und
feinwürzig. Auch das Malz kriegt seinen Raum. Interessant und facettenreich.
Eindeutig hopfenbetont. Aber ein Hopfen, der gar nicht so recht in die
Mittelhessische Ecke passen will. Das erinnert schon fast an den guten
alten Saazer Hopfen. Diese Blumigkeit. Diese heuartig-blumenwiesenähnliche
Anmutung. Sehr mild und sanft. Enorm bekömmlich und grandios süffig.
Das Malz hat nicht unbedingt größten Umfang, das ist ja bei
diesem Typ auch nicht die Sache. Das Wasser ist der nächste Punkt,
der sehr positiv überrascht. Bieren aus großen Städten
haftet ja oft das Gerücht des nicht ganz perfekten Wassers an.
Hier absolut nicht. Sehr weich und samtig. Wo auch immer es her stammt.
Es ist vortrefflich strukturiert. Auch die Kohlensäure bewegt sich
auf hohem Niveau. Das Aroma ist wirklich interessant. Süddeutsch
bis böhmisch angehaucht. Dieser Hopfen … sehr blumig, ansatzweise
parfümartig, fast schwer, auf keinen Fall asketisch bitter sondern
sehr schwungvoll und lebendig. Ein wirklich gutes Pils. Abwechslungsreich.
Mutig und beherzt aufgebaut. Das ist kein Bier von der Stange. Das ist
ein ganz bestimmter, ein ganz eigener Weg. Eigentlich schade, dass das
Etikett etwas unscheinbar wirkt. Ich könnte mir vorstellen, das
aufgrund des etwas biederen Erscheinungsbildes hat schon so mancher
dieses Bier im Regal stehen lassen. Für mich ist es aber ein wirklich
erstaunlich gutes Bier. Darmstadt. Kulturstadt. Bierstadt. Spätestens
mit diesem Pils kann sich die hessische Bildungsmetropole auch eines
überdurchschnittlich guten Pilsbieres rühmen. Einzig der Abgang
könnte etwas mehr Hub gebrauchen. Hier wird die Sache ein bisschen
dünner. Dafür ist das Finish ein Pool an Weichheit, Milde
und Bekömmlichkeit. Auch die Vollmundigkeit könnte eine Spur
ausgeprägter sein. Ansonsten sehr harmonisch aufgebaut. Individuell
geprägt. Und ein Hopfen, der ganz weit oben in der Liga mitspielt.
Würde mich sehr interessieren, woher der stammt. Auf der Flasche
wird leider mit Infos stark gegeizt. Nicht aber beim Aroma. Das ist
topp. Gute 5.
Fazit: Erstes Bier im Mai
Wertung: + + + + +* [05/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt