Günzburger Weizenbock (6,6 %), Radbrauerei Gebrüder Bucher Günzburg


Alter Schwede, eine Farbe wie sansibarische Zimtstangen, die Blume standhaft wie ein Islandgletscher und dann doch bockig süss wie Kandiszuckerhustenbonbons.
Wer kein Bockbieranhänger ist, wird nicht glücklich mit dem Günzburger Weizen. Wer kein Weizenanhänger ist wird nicht glücklich mit dem Günzburger Bock. Man kann es also drehen und wenden wie man’s will, der Bock wird hierzulande wenige Freunde finden. Durch den schwer süssen Geruch, der an Eichenfass erinnert, gepaart mit Whiskeyfahne, ist das Bier nur trinkbar wie ein abendfüllender Cognac. Obwohl es sich um kein gänzlich schlechtes Bier handelt ist das Günzenburger selbst für festliche Anlässe, die nach einem Weizenbock verlangen könnten, zu aufdringlich süss. Vorstellbar wäre sicherlich das jugendliche Bieranfänger mit Freizeitstress, die gleichzeitig das Weizen- und Bockbiertrinken lernen müssen, Geschmack am diesem besonderen Gebräu fänden. Wahrscheinlich wäre aber auch das sich die Betroffenen schon in der zweiten Runde für ein friesisches Pils entscheiden – zum Nachspülen.

Fazit: Kandierter Bock im Weizen
Wertung: + + - (stl 01/08)

Günzburger Weizenbock (6,6 %) Radbrauerei Gebrüder Buchner seit ? aus Günzburg in Bayern:


6,6 Umdrehungen für einen Weizenbock. Sicher nicht das Ultimatum. Nach naturgemäßer Scheu fasst man beinahe schon frohen Mut, diesem Bock zu begegnen. - - Wie grazil und filigran sich der Schaum aufbaut. Was für eine Show. Unglaublich feinporig. Dazu satt im Stand. Unnachgiebig. Das Volumen ist enorm. Herrliche Vorstellung. Das Braun des Bocks ist tief und kräftig. Die Hefe trübt es matt ein. Der Geruch hat etwas holziges, hefiges, herbes und trockenes. Er wirkt dabei verblüffend zurückhaltend und gutmütig. Man würde beim Blindtest sicher kein Bockbier vermuten. Eher gediegen als angriffslustig.
Also. Dunkler Weizenbock. Darunter stellt man sich gemeinhin etwas sehr mastiges, zähes, struppiges vor. Nicht hier. Der Antrank ist sehr frei und luftig. Gar nicht so in die Ecke drängend, wie man es vermutet hätte. Der Geschmack offenbart eine Schlankheit, die man diesem Raster nicht zugetraut hätte. Im Antrank türmt sicht zwar eine leichte Unwucht auf, trocken, leicht alkoholisch, stockig in der Hefe, aber das verflüchtigt sich sofort und eine leichte und elegante Schwere nimmt das Aroma in Beschlag. Vordergründig sind hier holzig-herbe und trockene Aroma im Spiel, die neben Tabak auch Leder symbolisieren und auch der Hefe tapfer frönen. Eine zurückhaltende Säuerlichkeit wechselt sich mit einer Weißweintraubenartigkeit ab, die hinten am Gaumen sehr fruchtig wirkt. Überraschende Symbiose aus sanften, fast milden, zurückhaltenden Bockbierattitüden und einer doch kräftigen Grundausrichtung. In der Summe ist dieses Bier aber tatsächlich eher mild und sanft als bockbiertypisch. Und für einen Weizenbock geradezu bekömmlich und leichtfüßig. Oft ist es ja so, dass die Maulsperre eingreift und nur durch Ehre und Abenteuerlust das Bier gelehrt wird. Beim Bock. Nicht hier. Das Günzburger findet einen erstaunlich sanftmütigen Weg, die Kraft ins Glas und auf den Gaumen zu bringen. Dezent. Breitbandig. Nicht zu quer. Da tut sich auch das Wasser hervor, das samtig wirkt. Auch die Kohlensäure macht ihren Job mehr als gut. Vielleicht liegt es daran, dass die garstige Grundausrichtung eines jeden Weizenbocks hier in eine milde Richtung läuft. Wobei. 6,6 Umdrehungen sind sicher nicht rekordverdächtig. Dennoch. Ein Leichtes ist das hier definitiv nicht. Man spürt die Kraft die im Innern rührt und jeder Schluck flößt Respekt ein, wirkt keinesfalls schmeichlerisch. Allerdings. Was diesem Bock doch etwas abgeht, dass ist die Dominanz, der absolute Wille zum Erfolg. Vor lauter Harmoniebedürfnis bleibt der eigentliche Sinn der Sache ein wenig auf der Strecke. Man kann dieses Bier fast wie eine dunkles, kräftiges Hefe trinken. Was nicht den Tatsachen entspricht. Und genau hier hat dieses Weizen seine Schwächen. Es ist als Weizenbock deklariert und wirkt letztendlich nicht in letztere Konsequenz so. Und wenn man den Begriff sortentypisch bemüht, dann muss man in diesem Fall Abstriche machen.
„Dies ist ein Bie ganz besonderer Art. Die kräftige Würze des Bockbiers, vereint mit der spritzigen Note des Weizenbiers ergeben eine Spezialität von besonderem Charakter. Ein Bier für Kenner. Ein köstlich festlicher Trunk.“
Ein letztendlich gutes Bier mit viel Würze, das aber seiner letztendlichen Bestimmung nicht ganz gerecht wird. Deshalb nicht ganz leicht zu bewerten.

Fazit: Schwer zu bewerten
Wertung: + + + + - [t 09/07]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfenauszug, Hopfen, Hefe
PS: Vielen Dank an die Verantwortlichen der Günzburger Brauerei für die generöse Zusendung des bombenfest geschnürten und reichhaltigen Bierpäckchens.