Hagenbräu Weizen (5,0 – 5,2 %) seit ca. 8 Jahren aus Worms in Rheinland-Pfalz:
Der Geruch stellt schon mal ein Novum da. Einerseits klar hefig, logisch, aber auch etwas chlorartiges-putzmittelähnliches; seltsamer Geruch, wenn auch frisch und irgendwie klar. Der Schaum ist über jeden Zweifel erhaben. Die Farbe ist kupfern-trüb.
Tja. Das wäre mal wieder ein Aroma für den studierten Fachmann. Sehr ungewöhnlich und selten. Viel spielt da mit rein, eine Menge Facetten konkurrieren untereinander. Das wirkt zwar interessant, birgt aber auch einige Überraschungen. So hat man auch im Geschmack das Gefühl, sich mit Chlor bzw. mit etwas faulig-modrigem, das aber gar nicht so übel schmeckt, auseinander zu setzen. Wirre Sache. Ein Geschmack, den man erst einmal aufarbeiten muss. Wasser und Kohlensäure sind OK, sogar mehr als das. Dieses Weizen wirkt cremig und schaumig, gleichzeitig mild und bekömmlich. Das Aroma aber ...
Fruchtige Komponenten findet man, daneben auch natürlich auf hefiges sowie eine nicht unerhebliche Portion Malz. So weit so gut. Dann gibt es da aber noch eine ganze Reihe anderer Geschmackrichtungen. Schwierig zu beschreiben. Genauso fremd wie angenehm. Sicher nicht das Licht des Bierolymp. Trotzdem sehr aufregend und spannend.
Leider fehlen mir die Worte für die exakte Beschreibung dieses Wormser Bieres. Auf jeden Fall hat es zwei Gesichter. Zum einen ein recht mildes, bekömmliches, schaumiges, von Malz und mehliger Hefe dominiertes; dann gibt es da aber auch noch dieses seltsam technisch angehauchte, nicht unbedingt biertypische aber doch irgendwie akzeptable bzw. überzeugende. Für den Biernewcomer sicher nicht empfehlenswert weil zu wirsch. Für denjenigen, der sein (Geschmacks-) Hirn mal richtig anstrengen will, der soll ruhig mal zu diesem Weizen greifen. Obwohl es sicher eine ganze Reihe dieser Biersortentypen gibt, die deutlich vollmundiger und intensiver schmecken. Da kann es nicht ganz hin. Und doch wirkt es irgendwie anders ...
Fazit: Irgendwie anders
Wertung: + + + + - (t 04/04)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Inhaltsstoffe: Wasser, Malz, Hopfen, Hefe
PS: Vielen Dank an den Braumeister der Hagenbräu, der trotz voller Hütte die Aufgabe übernahm, mir die mitgebrachten Flaschen aufzufüllen.
PPS: Man sollte noch erwähnen, dass dieser bieruntypisch-künstliche Eindruck nach der ersten Hälfte nachlässt und einem deutlich positiveren Eindruck Platz macht; was in der Bewertung schon berücksichtigt ist. Trotzdem offensichtlich irr die Sache. Etwas jeck, das Bier.