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| Hamburger Leichtbier (3,5 %) seit ? aus Hamburg: Globalisierung und wirtschaftliche Zusammenschlüsse können schon seltsame Blüten treiben. Da kauft man in einem LIDL-Markt in Mittelböhmen eine Dose Bier. Auf der Dose (im Bild rechts) finden sich Tschechische und Slowakische Informationen. Und ganz klein aufgedruckt: Hergestellt von HGI Hanseatische Getränke-Industrie GmbH, Holstenstraße 224, 22765 Hamburg. Komische Welt. Und solch ein Bier kauft man in dem vielleicht anerkanntesten Hopfenanbaugebiet der Welt: Saaz. Der Saazer Hopfen ist wie eine Bank. Im Mittelalter war es bei der Todesstrafe verboten, Hopfenpflanzen aus Böhmen zu schmuggeln. Manche wurden aber auch nur geblendet. Sorry. Aber dieses Bier riecht nach Urin. Der Schaum ist gut, keine Frage, aber der Geruch ist zu hart. Dabei ist er gar nicht mal abartig im eigentlichen Sinne. Vielmehr riecht es so, wie wenn ein Baby in die Windel gepinkelt hat. Irgendwie süss. Aber zu Bier paßt das mal überhaupt nicht. Wenigstens kommen auch biertypische Düfte wie Malz und Hopfen vor; untergeordnet. Tja. Was soll man sagen. Sicher kein Bier, vor dem man auf die Knie fällt. Und in Böhmen schon mal überhaupt nicht. Das Wasser ist nicht sehr weich. Die Zutaten verheddern sich und hakeln. Das Aroma ist malzbetont aber nicht sehr langatmig. Der Nachgeschmack ist nicht porentief rein sondern wirkt etwas zu künstlich. Sicher kein Bier für Genießer. Interessant ist auch, dass dieses Bier bei einer Schlagzahl von 3,5 rund das dreifach von dem vergleichbaren Böhmischen kostet. Und das war deutlich besser. Nein. Wirklich kein Meilenstein. Unfertig malzig. Unreif im Charakter. Unfreundlich und ungeduldig. Da braucht man auf die einzelnen Aromaschichten nicht näher einzugehen. Es ist verblüffend genug, dass für den Böhmischen Markt ein Bier in Hamburg gebraut wird. Das war sicher keine gute Idee. Die haben hier doch massenweise Wässerchen, die zum einen wesentlich billiger zu erstehen und zum anderen auch deutlich besser sind. Wer kauft dieses Bier, das weit mehr als alle anderen kostet? Leute, die gerne zur See fahren würden, in Tschechien dazu aber keine Chance haben und sich mit diesem Hanseatenpivo trösten wollen? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich den Inhalt dieser Dose nicht austrinken werde. Dazu ist mit der Kulturschock zu groß. Dieses Bier wird zwar nach dem Deutschen bzw. Bayerischen Reinheitsgebot gebraut. Das ist aber auch schon alles. Fazit: Kulturschock Wertung: + - (t 12/03) Gebraut nach dem Reinheitsgebot: Ja Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen |