Hausbrauerei Grünstadt Weizen Bock (? %) seit 1999 aus Grünstad in Rheinland-Pfalz:
Farblich recht dunkel gehalten, entfaltet dieses Weizen einen kräftigen hefigen Geruch. Der Schaum ist nicht weizentypisch üppig, das liegt aber vielleicht an der Kategorie BOCK.
Der Geschmack ist sehr kräftig und ein wenig schnapsartig scharf, was wohl auf eine recht hohe Drehzahl schließen lässt, obwohl dieses Bier jederzeit unter Kontrolle bleibt und nicht mit der Tür ins Haus fällt. Vielmehr bewahrt dieses Hefe ein recht molliges Erscheinungsbild. Das Aroma hat einen starken Hefeanteil, im Rückraum etwas bananenfruchtiges, dann das schon erwähnte scharfe, schnapsähnliche, das aber nicht störend sondern eher feurig wirkt, als dazu Gegengewicht hierzu wirkt ein recht mildes Malz, der Hopfen hat etwas entfernt blumiges und fruchtiges. Alles wirkt vollmundig, kräftig und handfest. Einzig der Abgang fällt etwas ab durch sein säuerlich-korkiges Auftreten. Ansonsten aber ein sehr süffiges, volles, gegenwärtiges Bier. Es besitzt Ausstrahlung, einen mild-kernigen Antrank und Mittelteil, bietet Aromen, die man nicht in jedem Bier findet sondern sorgt für Abwechslung und Kraftgefühl. Und im vorderen Teil erfreut vor allem dieses blumig-kräftige. Dazu kommt noch ein heimeliges Wasser und eine Kohlensäure, die ihren Job nicht nur ernst nimm sondern auch gut macht. Auch die natürliche Ausstrahlung, das Gefühl, etwas Handgemachtes, mit Hingabe und Einsatz hergestelltes zu trinken, wirkt positiv.
Grünstadt liegt, wenn ich mich nicht täusche, an der Weinstrasse. Ist also nicht gerade klassisches Bier- und Brauereiland. Die Dichte der Stätten sprechen da auch für sich. Westlich bis ins Saarland ist so gut wie nichts mehr mit Bier. Einöde in Sachen Hopfen und Malz. Was aber nicht nur an der Weingegend liegt, die sich ja eher südlich dahinzieht. Also ein eher exotisches Faktum, diese Hausbrauerei in Grünstadt. Aber ein sehr feiner Platz. Innen ansehnlich und gemütlich gestaltet. Man tritt ein und hat sofort das Gefühl, einen geselligen, gemütlichen, behaglichen Ort gefunden zu haben. Dazu passt, dass sich die verantwortlichen Leute und deren Kollegen große Mühe geben und das Arbeitsklima auf jeden Fall kameradschaftlich und aufgeschlossen wirkt. Ein optimaler Platz zum Biertrinken sozusagen.
Guter Tipp also. Wer einmal die A 6 Richtung Kaiserslautern/Saarbrücken entlang fährt und nach einer Pause lechzt, der soll kurz nach Frankenthal die Autobahn an der Ausfahrt Grünstadt verlassen. Nach nur wenigen Kilometern (immer in Richtung Stadtmitte, dem Kirchturm nach) steht er vor der Hausbrauerei Grünstadt und kann sich ein leckeres Bier munden lassen. Im Falle des Weizens sicher kein schlechter Rat. Denn es bietet ein sehr facettenreiches und anspruchsvolles Geschmacksbild. Malzig-süß-blumig, kräftig-scharf und tiefgründig. Dazu ein prima Wasser, begleitet von einer makellosen Kohlensäure. Einzig der Abgang birgt Raum für Verbesserungen. Aber für einen Weizen-BOCK sicher ein bemerkenswertes Bier. Süffig-rasant, mild-ungestüm, rassig-ausgewogen. Sollte man mal getrunken haben. Viel Ausdruck, properes Aroma, gefährliche Süffigkeit. Und gerade diese Eigenschaft macht das Grünstädter Weizen zu einem Ereignis, vor dem man auch warnen sollte. Denn dieses relativ ruhige Dahingleiten fordert bald seinen Tribut. So süffig es auch ist, so hinterlässt es auch seine Spuren. Nach einem Liter dieses Trunks jedenfalls rauschen bereits meine Ohren. Nur knapp an der 5,5 vorbei.
Fazit: Gutes Bier aus dem Weinland
Wertung: + + + + +* (t 04/04)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Inhaltsstoffe: Keine Angabe
Im Internet unter: www.hausbrauerei-gruenstadt.de
PS: Vielen Dank an die nette Crew vom Brauhaus Grünstadt, die mir sehr hilfsbereit und zuvorkommend in Sachen Bierabfüllen geholfen haben.
Im Internet unter: www.hausbrauerei-gruenstadt.de