Henninger Export Classic (5,5 %) seit 1869 aus Frankfurt in Hessen:

5,5 Touren!? Wow. Nicht von schlechten Eltern. Zumindest von der Schlagzahl her ein mastiges Export. Überraschend, dass dieses Bier es bisher noch nicht in unsere Testreihe geschafft hat. Ist ja nicht eben schwierig zu organisieren. Trotzdem hat es rund fünf Jahre gedauert … hoffentlich hat sich die Wartezeit gelohnt. Das Etikett ist ansatzweise nett, unterm Strich aber doch zu analytisch und kühl, berechnet, ausrechenbar. Der Schaum ist enttäuschend. Das ist nicht First Class. Der Geruch recht mild, dennoch scharfstammwürzig. Malzig und eine Spur griffigen Hopfens. Farblich Mittelgelb angesiedelt.
Für diese Schlagzahl schmeckt dieses Export zu brav und vorhersehbar. Die Zutaten treten nicht wirklich selbstbewusst hervor, wirken zurechtgestutzt, kontrolliert. Zwar sind sie auch realtiv unbelastet und störungsfrei aromatisiert, aber wer auf der Suche nach Geschmacksabenteuern ist, wird hier sicher nicht die Erfüllung finden. Hier findet sich nichts spezielles, individuelles, besonders. Das Bier ist ausgebufft gut, bietet aber keine Überraschungen. Die Herausforderung fehlt. Das Malz hat trotz des üppigen Hubraumes wenig Kraft, dem Hopfen fehlt der Schwung, die Zugkraft. Überraschenderweise ist eigentlich noch das Wasser und die weiche Kohlensäure und somit die ordentliche Süffigkeit das Highlight. Geschmacklich wandelt dieses Export eher auf einfachen, bescheidenen Pfaden. Dafür wirft es aber auch keine Schwierigkeiten und schon gar keine versteckte Fallen auf. Sehr glatt und kantenlos. Es kommt der Verdacht auf, dass hier ein Bier eingebraut werden sollte, das möglichst wenig Angriffspunkte bieten und umso mehr Konsumenten schmecken sollte. Nicht sehr herausforderndes, anspruchsvolles, kommunikatives Geschmacksbild. Einfach und gut zu tilgen. Und in Ansätzen, vor allem hinten, im Finish, wirkt es zu unreif, zu wenig mausgeprägt und mannhaft. Da war das Aktien aus Bayreuth im Vorfeld ein ganz anders Kalieber. Da hat sich was getan. Dort hat es regelrecht gefunkt im Aroma. Es hat sich Spannung und Anspruch aufgebaut und entladen. Da wurde zwischen Trinker und Bier eine Verbindung, eine Bindung aufgebaut, man fühlte sich hingezogen. Hier ist das anders. Hier plätschert die Sache so vor sich hin. Zwar stellt sich nichts groß in den Weg. Aber die Hand ins Feuer legen würde man für dieses Bier auch nicht unbedingt. Nett zu trinken. Aber weit weg vom großen Bierschauplatz. Spannungslos. Künstlich ist sicher der falsche Ausdruck. Dazu fehlen im die Attribute. Aber doch berechnet. Gewollt. Geplant. Schade. Ein in eine unabdingbare Form gepresstes Bier. Mehr Freiraum, innovativeres Denken, die Abkehr vom Gewohnten … das täte diesem Export sicher gut.

Fazit: Von Frankfurt aus in alle Welt
Wertung: + + + - [t 04/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt
Im Internet unter: www.myhenninger.com