Grammers Hirschbräu Spezialbier Hell (5,2 %) 1870 aus ? in Baden-Württemberg:
Macht mich stutzig. Da fährt man extra nach Ergenzingen, kleines
Kaff in BW, nett gelegen, schmuck rausgeputzt, ZWEI Brauereien. Und
man deckt sich natürlich ein. Nun steht diese Bügelverschlussflasche
vor mir und auf der Rückseite lese ich:
„Im Auftrag hergestellt für Getränke-Grammer
GbR 72108 Rottenberg-Ergenzingen. Dieses helle, vollmundige Spezialbier
wird nach überlieferten Familienrezepten gebraut.“
Ja, was nun? Gebraut in Ergenzingen oder nicht? Wo dann? Seltsam.
Der Geruch ist überraschend hopfig, man würde es spontan
eher der Pilsfraktion als der Bierkategorie der Hellen zuordnen. Der
Schaum haut nicht vom Hocker. Die Farbe ist überraschend.
Der Antrank ist malzgeprägter, wenn auch der Hopfen durchaus
zu Wort kommt. Das Wasser wirkt sehr weich und zurückgelehnt.
Die Kohlensäure unterstreicht dieses entspannte Gefühl.
Sehr mild und bekömmlich. Dazu aber auch kratzig-würzig,
agil und forsch. Das Aroma hat die gewissen schrägen, individuellen,
nicht perfekten, dafür aber um so herzhafteren Momente. Das Malz
markant und ausdrucksstark. Der Hopfen tiefgründig, mit holzig-kernigen,
kernig-würzigen Auftritten, untermalt die grundlegend eigentlich
malzig ausgelegte Richtung mit interessant eingestreuten Gegenpolen.
Vor allem die erste Hälfte überzeugt durch ein sehr frisches,
gerstiges, weiziges Geschmacksbild. Da kommt Natur auf. Danach wird
es hopfiger, dennoch gut strukturiert auch da. Der Abgang eher bitter,
lang anhaftend, gut. Dazu alles sehr gut ineinander verhakt, gut Übergänge,
mehr als passable Zusammenarbeit. Fließend und harmonisch. Und
störende Elemente, schräge Aromen – völlig fehl
am Platze. Gutes Bier. Voll und süffig. Nicht unbedingt weltbewegend
in Sachen Aroma, dafür aber durch diesen gerstigen Ton sehr natürlich
aufgelegt. Aber woher es kommt ... das wissen wir immer noch nicht
...
Fazit: Wo kommst Du her?
Wertung: + + + + -*
[02/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen