Husumer Brauhaus Dunkel seit 1991 aus Husum in Schleswig Holstein: Die „Graue Stadt am Meer“, Wirkungsstätte des berühmten Schriftstellers Theodor Storms, ist sicher eine der abgelegensten Städte Deutschlands. Mit ihren rund 21.000 Einwohnern liegt es abseits aller wichtigen Handelsstraßen und Verbindungswege. Auf der einen Seite die unwirtliche Nordsee, auf der anderen heideartiges Brachland. Sich dorthin zu verirren ist gar nicht mal so einfach. Aber was nimmt man nicht alles auf sich. Und nachdem ich mir das Grab von Strom und die schmucke Altstadt angeschaut habe, bin ich schnurstracks ins hiesige Brauhaus marschiert. Dort habe ich dann mit einiger Mühe drei Flaschen des dort gebrauten Bieres abgefüllt bekommen. Vom Braumeister aus Thüringen, der jahrelang im bayerischen Augsburg wirkte, persönlich. Das Dunkle ist ein sehr malziges, mit feinen Bitterstoffen versehenes, leicht trockenes, erdiges Bier. Man schmeckt eine angenehme Spur Karamel und eine Natürlichkeit, die sehr süffig und animierend wirkt. Das Wasser könnte wohl etwas weicher und die Kohlensäure dezenter sein. Dafür ist es sehr vollmundig und reich im Geschmack. Nicht zu süß und karamelartig, um völlend und langweilig zu wirken. Aber auch nicht zu trocken und erdig, um zu hochnäsig und edel dahe kommt. Eine gute Mischung und ein gelungener Kompromiß. Gemütlich malzig und bürgerlich süffig. Das Bier strahlt Geselligkeit und Ausgeglichenheit aus. Das Malz hat eine fein geschliffene Kontur und drückt diesem Dunklen klar den Stempel auf. Aber auch der Hopfen versteht es mit seiner diskreten Würzigkeit das Bild abzurunden. Keine störenden Impulse. Der Nachgeschmack ist zwar relativ kurz, dafür steht auch nichts im Wege. Ferner fällt auf, dass dieses Bier einen sehr schlanken Geschmackskörpe besitzt. Da ist nichts, das völlt oder überfordert. Eher gefällt dieses Dunkle durch ein sehr elegantes und filigranes Geschmacksbild. Sehr süffig und schlank. Der Windhund unter den Dunkelbieren. Einzig im Aroma wünscht man sich etwas mehr Durchzug und Abwechslung. Da könnte es noch ein bißchen mehr Strukturen und Überraschungen geben. Teilweise wirkt es zu kontrolliert und vorhersehbar. Aber trotzdem überwiegen klar die positiven Aspekte. Ein absolut gelungenes und leckeres Bier aus dem Norden. Dazu ein sehr einladendes und geschmackvoll eingerichtetes Haus mit allen wichtigen Brauvorrichtungen im Blickfeld. Wirklich sehenswert. Gute 5 für dieses Bier mit Tendenz nach oben.
Fazit: Das vielleicht abgelegenste Brauhaus Deutschlands
Wertung: + + + + + (t 03/03)
Im Internet unter www.husums-brauhaus.de