Jenaer Burschenpils, deutsches Pilsner, seit 1332, Braugasthof "Papiermühle", Erfurter Str. 102, 07743 Jena, Thüringen, Alc. 4,5%vol., 11,2° Stammwürze, 1l "Brauhauskanne" (Bügelverschluß-Mehrwegflasche)
www.jenaer-bier.de

Super Plopp, das Burschenpils ist ein frisches Bier mit einem prima Schaum. Es ist recht neutral im Geruch. Etwas Gerste, etwas Treber und die natürliche Kohlensäure. Mehr macht der eigene Rüssel nicht aus. Bernsteinfarben leuchtet das Bier im Glas, eine leichte Trübung ist normal, da ungefiltert und nicht pasteurisiert - zum baldigen Verbrauch bestimmt. Das werde ich doch innerhalb einer guten Woche schaffen!
Ein frisches klares Malz am Anfang gibt den Grundton vor. Der gute, aber recht fein dosierte Hopfen verträgt sich mit dem frischen Grundcharakter. Frisch ist dieses Bier immer, da es nur zu besonderen Anlässen in kleinen Mengen gebraut und innerhalb weniger Tage zum Verbraucher gebracht wird.
Eine kaum spürbare metallische Spur liegt im Mittelteil. Die Kohlensäure verträgt sich gut mit dem Malz, macht eine spritzige Frische. Das Wasser könnte eine Idee weicher sein für ein Pils. Aber wenn man weiß, dass die durchsnittliche Wasserhärte in Jena mind. 14grad Deutscher Härte entspricht, kann man nur staunen, dass dieses Bier trotzdem mit solchem Wasser daherkommt! Der Abgang wirkt leicht malz-süßlich, der Hopfen bleibt sparsam auch jetzt noch hinten.
Gesamturteil: nicht schlecht gemacht.

Gebraut nach dem Deutschen Reinheitsgebot: Ja
Fazit: mehr als Mittelmaß
Bewertung: + + + + - (d 11/05)


Jenaer Burschenpils (4,5 %) seit 1332 (!) aus Jena in Thüringen:


Fabelhafte Schaumbildung. Schneeweiß, äußerst straff, opulent, tolles Volumen, herrlicher Anblick, cremig wie Rasierschaum. Der Geruch ist dezent hopfig, sehr ausgewogen und dezent, hat aber auch einen sehr interessanten, weit hinten angesiedelten Hauch, der sahnig-karamelartig wirkt, schwer erklärbar, auf jeden Fall ungewöhnlich. Die Farbe ist mittelgelb, für ein Pils durchaus kräftig.
Auch im Geschmack findet sich dieser leicht blumige, parfümartige Hauch wieder. Fein. Nicht aufdringlich. Individuell. Das Aroma ist sehr harmonisch verpackt. Der Hopfen ist weder trocken noch steif, vielmehr dynamisch und warm. Feines Wasser und eine sehr dezente Kohlensäure runden ein sehr interessantes und wohlschmeckendes Bier ab. Zwar könnte man ein bisschen kritisieren, dass es für ein Hausbrauereibier vielleicht auch mehr Eigenständigkeit oder auch Mut in der Umsetzung gebrauchen könnte, sicher gibt es Hausbiere, die exotischer, wilder schmecken. Andererseits glänzt das Jenaer durch eine enorm harmonische, bekömmliche und milde Ausführung. Die Zutaten wirken entspannt und reif. Dem Malz wird angenehm viel Raum gelassen, er dankt es mit einer satten, kernigen Note. Der Hopfen wirkt, wie gesagt, nicht steif oder zu trocken sondern gefällt durch eine warme, blumige, interessante, an Lakritz und Parfüm erinnernde Note. Erst im Abgang wird es leicht bitter und harzig; hängt lange und angenehm an. Das Bier ist spritzig und frisch, wirkt lebendig, ist dazu aber auch enorm süffig und lauffreudig. Sicher kein Aromapfund oder raffiniert geschnittenes Pils. Es ist ein sehr solides, samtiges, süffiges, feinwürziges Bier. Jeder Schluck geht leicht über die Lippen und weiter. Eine Freude, dieses Gebräu zu trinken. Vielleicht nicht individuell genug, dieser halbschräge Eindruck im Aroma ist zwar vorhanden und gut, es gibt aber Hausbrauereibiere, die deutlich schrulliger und eigener wirken. Das Burschenpils geht eher den bequemeren Weg, was vor allem dem Trinker zugute kommt, denn hier braucht man sich nicht zu sehr zu konzentrieren, dem Genießer wird nicht zu viel abverlangt, vielmehr kann er sich voll und ganz diesem köstlichen Trank widmen. Runde Sache. Kompakte Einheit. Keine Ausreißer. Solider, gediegener, Spaß machender Geschmack. Enorm flott im Antrank. Gutmütiger, gelassener, ausgewogener Geschmack. Sattes Malz. Dichte Struktur. Die Vollmundigkeit mehr als gelungen. Leicht verspielter Hopfen, süßlich-blumige Ausrichtung, lässt leicht an Saazer Hopfen denken. Dazu ein wirklich weiches Wasser, in seiner Samtigkeit bestärkt durch die sehr feinperlige und filigrane Kohlensäure. Und der Abgang, der neben seiner feinbitteren Hopfigkeit noch etwas malzig Süßes im Programm hat, gefällt durch ein gleichmäßiges, angemessenes Abklingen. Keine Experimente, die vielleicht am Ende in die Hose gehen, sondern grundsolides Bierhandwerk. Trotzdem „nur“ eine sehr gut 5, weil mir das Burschenpils unterm Strich nicht pilstypisch genug ist. Das Bier an sich ist aber ein voller Erfolg. Wenn es nur nicht so bescheiden wäre ...

Fazit: Grundsolides Bierhandwerk
Wertung: + + + + -* [t 11/05]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Malz, Hopfen
Im Internet unter: www.jenaer-bier.de