Jenaer Burschenpils (4,5 %) seit 1332 (!) aus Jena in Thüringen:
Fabelhafte Schaumbildung. Schneeweiß, äußerst straff,
opulent, tolles Volumen, herrlicher Anblick, cremig wie Rasierschaum.
Der Geruch ist dezent hopfig, sehr ausgewogen und dezent, hat aber auch
einen sehr interessanten, weit hinten angesiedelten Hauch, der sahnig-karamelartig
wirkt, schwer erklärbar, auf jeden Fall ungewöhnlich. Die
Farbe ist mittelgelb, für ein Pils durchaus kräftig.
Auch im Geschmack findet sich dieser leicht blumige, parfümartige
Hauch wieder. Fein. Nicht aufdringlich. Individuell. Das Aroma ist sehr
harmonisch verpackt. Der Hopfen ist weder trocken noch steif, vielmehr
dynamisch und warm. Feines Wasser und eine sehr dezente Kohlensäure
runden ein sehr interessantes und wohlschmeckendes Bier ab. Zwar könnte
man ein bisschen kritisieren, dass es für ein Hausbrauereibier
vielleicht auch mehr Eigenständigkeit oder auch Mut in der Umsetzung
gebrauchen könnte, sicher gibt es Hausbiere, die exotischer, wilder
schmecken. Andererseits glänzt das Jenaer durch eine enorm harmonische,
bekömmliche und milde Ausführung. Die Zutaten wirken entspannt
und reif. Dem Malz wird angenehm viel Raum gelassen, er dankt es mit
einer satten, kernigen Note. Der Hopfen wirkt, wie gesagt, nicht steif
oder zu trocken sondern gefällt durch eine warme, blumige, interessante,
an Lakritz und Parfüm erinnernde Note. Erst im Abgang wird es leicht
bitter und harzig; hängt lange und angenehm an. Das Bier ist spritzig
und frisch, wirkt lebendig, ist dazu aber auch enorm süffig und
lauffreudig. Sicher kein Aromapfund oder raffiniert geschnittenes Pils.
Es ist ein sehr solides, samtiges, süffiges, feinwürziges
Bier. Jeder Schluck geht leicht über die Lippen und weiter. Eine
Freude, dieses Gebräu zu trinken. Vielleicht nicht individuell
genug, dieser halbschräge Eindruck im Aroma ist zwar vorhanden
und gut, es gibt aber Hausbrauereibiere, die deutlich schrulliger und
eigener wirken. Das Burschenpils geht eher den bequemeren Weg, was vor
allem dem Trinker zugute kommt, denn hier braucht man sich nicht zu
sehr zu konzentrieren, dem Genießer wird nicht zu viel abverlangt,
vielmehr kann er sich voll und ganz diesem köstlichen Trank widmen.
Runde Sache. Kompakte Einheit. Keine Ausreißer. Solider, gediegener,
Spaß machender Geschmack. Enorm flott im Antrank. Gutmütiger,
gelassener, ausgewogener Geschmack. Sattes Malz. Dichte Struktur. Die
Vollmundigkeit mehr als gelungen. Leicht verspielter Hopfen, süßlich-blumige
Ausrichtung, lässt leicht an Saazer Hopfen denken. Dazu ein wirklich
weiches Wasser, in seiner Samtigkeit bestärkt durch die sehr feinperlige
und filigrane Kohlensäure. Und der Abgang, der neben seiner feinbitteren
Hopfigkeit noch etwas malzig Süßes im Programm hat, gefällt
durch ein gleichmäßiges, angemessenes Abklingen. Keine Experimente,
die vielleicht am Ende in die Hose gehen, sondern grundsolides Bierhandwerk.
Trotzdem „nur“ eine sehr gut 5, weil mir das Burschenpils
unterm Strich nicht pilstypisch genug ist. Das Bier an sich ist aber
ein voller Erfolg. Wenn es nur nicht so bescheiden wäre ...
Fazit: Grundsolides Bierhandwerk
Wertung: + + + + -* [t
11/05]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Malz, Hopfen
Im Internet unter:
www.jenaer-bier.de