Jever Pilsener (4,9 %) seit ? aus Jever in Niedersachsen:
Vergleichstest mit Hasseröder.
Eigentlich eine interessante Erfolgsstory dieses Bieres aus dem so ziemlich nordwestlichsten Teil Deutschlands. Das friesische Jever ist eine kleine aber schmucke Stadt – ziemlich abgelegen. Von dort hat dieses Pils einen beachtlichen Eroberungszug bis in den Süden Deutschlands angetreten.
Der Schaum hier ist in der Konstruktion feiner. In Stand und Volumen ist das Jever dem Hasseröder eine Nasenlänge voraus. Das ist richtig guter Schaum. Der Geruch ist sehr markant hopfig, rein, klar, etwas kühl vielleicht und starr, dennoch anregend. Der Hopfen gibt sich fast greifbar. In der Farbe hat es eine Spur mehr Helle aufzuweisen.
Knallhart auf Hopfen getrimmt. Wer Jever trinkt, der lässt sich auf eine eindeutige, klare Sache sein. Hier is Hopfen, sonst nichts. Nur wenige Biere gehen einen ähnlich konsequenten Weg und geben dem Hopfen solch einen hohen Stellenwert. Ein Jever schmeckt man wahrscheinlich unter 1.000 Bieren problemlos raus. Glasklar, asketisch, edel, kaum geschmückt, phrasenlos. Das Wasser angenehm weich. Die Kohlensäure allerdings etwas zu grob. Wer ein abwechslungsreiches und warmes Bier sucht, der wird vielleicht nicht ganz glücklich mit diesem etwas kühlen Auftreten. Ansonsten kann man aber hier absolut gewiss sein, trotz eines Massenbieres ein Pils auf den Tisch zu bekommen, das höchsten Ansprüchen genügt und sich vom restlichen Einheitsbrei angenehm abhebt und eindeutig Flagge zeigt. Dieses Bier hat Charakter, Ausstrahlung und geht seinen eigenen Weg. Dieser ist zwar etwas hart und kühl. Aber dafür unverfälscht. Für mich das beste Massenbier. Gnadenlos hopfig.
Fazit: Das beste Massenbier
Wertung: + + + + + [t 05/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen
Im Internet unter: www.jever.de
GESAMTFAZIT: Nach diesem konzentriert durchgeführten Massentest (Warsteiner, Bitburger, Jever, Hasseröder, Eders, König Pilsener, Veltins, Wernesgrüner) von Massenbieren kann nun eindeutig festgestellt werden, dass die ursprünglichen und teilweise allerersten Bewertung dieser Pilsbiere eine eindeutig zu hohe Wertung zugrunde gelegt wurde, weil Erfahrung fehlte. Heute kann man sagen, diese Sorten sind zwar mehr oder weniger keimfrei, aber in Sachen Impulsivität, Abwechslung, Spannung und Farbenfreude kommen sie an wirklich gute nicht heran. Eine Ausnahme bildet das Jever. Hier hat man am ehesten das Gefühl ein Bier mit Charakter vor sich zu haben. Drum auch die (etwas wackelige) 5. Ansonsten wirken die Biere platt, vorhersehbar, eingezwängt, wenig phantasievoll, glatt geschmirgelt. Dennoch kann man sie trinken und vielleicht sind sie ja genau deshalb so beliebt geworden: man muss sich nicht viel Gedanken machen und schon gar nicht anstrengen beim Trinken. Man kann sie einfach rein laufen lassen. Mehr oder weniger gut.

Jever Pils aus Jever in Niedersachsen:
Herber unentberlicher Gerstensaft aus Friesland. Weites Land. Rauher Wind. Warme Katen. Nette Runden. Dazu ein herbes, frisch gezapftes Jever. Prost.
Prädikat: Friesich herb, frisch und wichtig.
Wertung: + + + + +