Jever Maibock (7,4 %) seit ? aus Jever in Niedersachen:
Oha. Das ist ja mal eine Neuigkeit. Jever, die Brauerei, die wie kaum
eine andere für einen einzigen Biertyp steht, das Pils, erweitert
das Programm. Ein BOCK findet sich nun im Programm. Eine Vorstellung,
die sich nur schwer vorbehaltlos verwirklichen lässt, steht doch
Jever für das Herbe des Pilsbieres schlechthin. Und der Bock ist
bekanntlich die Sorte, die mehr dem Malz frönt. Aber gut. Seinen
wir nicht voreingenommen. Freuen wir uns auf dieses neue nordische Biererlebnis.
Der Geruch geht eindeutig in Richtung Hopfen, vernachlässigt das
Malz beinahe, wirkt sehr klar, rein, kühl, unaufdringlich. Der
Schaum macht sich gut für ein Bockbier, reißt aber keine
Bäume aus. Die Farbe ist hell, hat aber eine kräftige Prägung.
Sehr weicher, samtiger Antrank. Das Wasser hat eine wirklich weiche
Ausstrahlung. Als nächste fällt, wie könnte es anders
sein, der Hopfen auf, entfaltet ein großes Potential an Bitterstoffen,
die kaum vom Malz in Bedrängnis gebracht werden können. Zwar
kann man diesen Bestandteil auf keinen Fall wegleugnen, aber für
einen Bock hält sich das Malz doch vornehm zurück. Was ferner
überrascht, ist die enorme Süffigkeit und das sehr milde und
bekömmliche Erscheinungsbild. Im Abgang leicht scharf, aber das
hält sich in engen Grenzen. Ansonsten ein dickflüssiges, vollmundiges,
hopfengeprägtes Starkbier, das einmal andere Wege beschreitet.
Nicht das Malz, nein, der Hopfen steht im Vordergrund, arrangiert sich
zwar mit dem Kollegen, hat aber eine Dominanz und Ausstrahlung, die
Bockbieren in der Regel fehlt. Das wirkt interessant, das wirkt anders.
Eine knappe, edle, schlanke Note begleitet den Geschmack. Sicher könnte
man diesem Bier auch eine gewisse Neutralität und Gleichförmigkeit
unterstellen. Aber nur dann, wenn man ihm von vornherein nicht gut gesinnt
ist. Objektiv gesehen ist dies ein Bock mit einer interessanten Prägung.
Massenproduktionsstätte hin oder her. Dieses Bier verdient Lob
und schrammt nur knapp an der 5 vorbei.
„Dieser helle und sehr bekömmliche Maibock aus dem friesischen
Brauhaus zu Jever erhält durch das weiche Brauwasser und eine Spur
mehr Hopfen seinen besonderen jevertypischen Geschmack.“
Eine Spur zu glatt. Ansonsten beachtlich. Und die Worte auf der Flasche
kann ich nur bestätigen. Kein Bock im eigentlichen Sinne. Eher
ein ultrastarkes Pils.
Fazit: Pilsbockbier
Wertung: + + + + - [t
04/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen
PS: Vielen Dank an Gerd S. aus Kiel, der uns diese
eigentlich auf Nordeutschland beschränkte und nach langem wieder
einmal aufgelegte Spezialität spendiert hat!