Kapplerbräu Pilsener (4,8 %) seit 1561 aus Altomünster in Bayern:

Der Geruch ist verblüffend süß und malzig, dafür aber sehr voll und intensiv und rund. Der Schaum kann sich sehen lassen, gefällt durch feinen Schaum, guten Stand und ordentliches Volumen. Die Farbe ist recht hell, wirkt aber sehr klar, nur die sanften Kohlensäureperlen stören das Bild. Zum Glück.
Wow. Auch der Antrank. Verdammt süß. Das hält man kaum für ein Pils, würde das Label nicht darauf hinweisen. Der Hopfen kommt auf eine eher zähe Art daher. Klar vom Malz gefärbt. Wirklich ungewöhnlich für ein Pils. Aber. Eines muss man diesem Bier lassen. Es schmeckt sehr eigen und sehr intensiv sowie individuell. Löst man sich erst einmal vom klassischen Pilsgedanken, so entdeckt man, dass dieses Bier durchaus seine Vorzüge hat. Diese liegen in dem wildwürzigen und unvergleichbaren Aroma. Der Geschmack ist markant und tief. Nur der Abgang könnte etwas dramatischer sein. Ansonsten wird viel geboten. Das Wasser ist vorbildliche weich, die Kohlensäure herrlich portioniert. Somit also eine Bier, mit dem man mehr als gut Leben kann. Jedoch. Wir sind doch hier beim Pils, oder nicht? Und da beginnt das Dilemma. Mit einem Pils der klassischen Sorte hat dieses hier nicht viel gemein. Bei aller Liebe. Da fehlt doch eine beachtliche Portion Hopfen und Herbe. Das Feinbittere und trocken. Hier ist mehr das Malzig-Gedehnte, das Süße und Schwungvolle angesagt. Vollmundig im malzigen Sinne. Nicht hopfenwürzig. Es wirkt beinahe etwas schwerfällig. Möchte man jedenfalls ein PILS genießen, dann wird man beim Kappler nicht das urqüchsig-pilstypische finden. Dieses Bier würde fast für ein sattes Helles oder schwungvolles Export taugen. Aber für ein herbes Pils?! Nicht wirklich. Also welche Wertung? Schwierig. Machen wir einen Kompromiss. Ziehen wir das ordentliche Bier sowie das unpilsige Pils ins Kalkül und geben eine gute 4. Das hat’s auf jeden Fall verdient, denn originell und handwerklich interessant schmeckt es auf jeden Fall. Wenn’s auch nach hinten hin etwas dünn wird.

Fazit: Süßpils
Wertung: + + + +* (t 02/05)
Gebraut nach dem Reinheitsgebote: Ja
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt