Klüver’s Doppelbock (Stammwürze 18 %) seit 2004
aus Neustadt in Schleswig-Holstein:
Voller und satter Malzgeruch par Excelance. Wuchtig. Karamell. Etwas
Baumharz. Die Farbe Bernstein, dunkel, klar, tief leuchtend. Der Schaum
macht eine sehr gute Figur. Für diese Kategorie überdurchschnittlich.
Himbeere und Kirsche. Enorm fruchtig. Dazu ERDBEERE. Ist das fruchtig.
Zu Beginn enorm viel Gerste. Danach ein Fruchtkarussell. Im Abgang wallt
der Hopfen feinherb auf. Überraschend schlank und süffig,
fast frisch. Nicht übermäßig völlend. Aber sehr
fruchtig. Erdbeere und vor allem Johannisbeeren. Herrlich fruchtig.
Fett. Satt. Süß. Und doch bewahrt sich dieses Bier eine erfreuliche
Leichtigkeit. Gleichzeitig gewinnt der Geschmack durch eine feinherbe
Holzigkeit an Format. Sicher ein überdurchschnittlich guter Bock,
der allerdings durch seine fruchtig-herbe Ausrichtung überrascht.
Wenig Süße – im Verhältnis. Dafür rank und
schlank. Trotz großem Aromapflock. Die Zutaten haben Kraft und
Stärke, wirken wohl ausgesucht und puristisch. Unverpackt und natürlich.
Entblättert auf dem Präsentierteller. Dennoch ist die Gesamtwirkung
nicht vollumfänglich perfekt und einwandfrei. Der allerletzte Funke
springt nicht über. An was das liegt, ist nicht einfach zu sagen,
denn die Vorraussetzungen (inklusive Ambiente der Brauhauses und die
Atmosphäre drum herum) sind mehr als gut. Aber der Bock hat irgendwo
die Bremse angezogen. Das Feinbittere und leicht Harzige wirkt mit der
Zeit doch etwas anstrengend. Nicht so richtig wohlig und sattsüß.
Dieser Bock will diskutieren und nicht nur getrunken werden. Auf jeden
Fall sehr anspruchsvoll. Aber kein Bier, in das man sich einfach so
reinfallen lässt. Hier gibt schon die eine oder andere Prüfung,
bis man am Ziel ist. Zu erwähnen wäre noch, dass der anfänglich
enorm fruchtige Eindruck nach und nach dem Hopfen Platz macht in Form
von nussigen und herben Elementen. Das ist verblüffend, denn die
ersten Eindrücke waren wirklich wahnsinnig fruchitg. Später
verflüchtigt sich das dann zusehends. Ungewöhnlich. Aber dadurch
wird das Bier nicht wirklich schlechter. Es verlagert seine Prioritäten
lediglich. So bleibt festzuhalten, dass diese Brauerei aus dem hohen
Norden an der schönen Ostsee gutes Bier braut. Das Helle und das
Dunkle haben mehr als überzeugt. Der Bock allerdings, trotz aller
Güte, kommt nicht ganz so gut in Fahrt. Dennoch ein lohnendes Bier
mit dem typischen Hausbrauereistil. Und nochmals: wer die Chance hat,
in diese Ecke zu kommen, z.B. auf dem Weg über Fehmarn nach Dänemark,
der möge von der Autobahn kurz ablassen und die Ausfahrt Neustadt
in Holstein nehmen. Nach wenigen Minuten chauffiert man sich durchs
Zentrum und wird von einer schmucken kleinen Hafenstadt mit altem Baubestand
empfangen. Kirche, Backsteinstadttor, Marktplatz, Hafengebäude.
Richtig gemütlich. Und direkt am Kai Klüver’s Brauhaus
mit richtig guten Köstlichkeiten. Nix wie hin!
Fazit: Rastplatz ohne Gleichen
Wertung: + + + + - [01/07]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe