Kraft Bräu Dunkel unfiltriert (5,0 %) 1. Trierer Hausbrauerei
seit 1998 aus Trier in Rheinland-Pfalz:
Die Flasche sieht wirklich edel aus. Der zarte, spärliche aber
sehr ansprechende Aufdruck gibt der 0,33er Bügelverschlussflasche
eine sehr traditionelle Ausstrahlung. Reduziert auf das Wesentliche.
Ausdrucksstark. Fantasie anregend. - - Welch sonores und gleichzeitig
mächtiges Plopp begleitet von einem kurzen aber drängenden
Zischlaut. Der Schaum steht äußerst kraftvoll und ästhetisch
im Glas. Das helle Beige ist dabei nur eine schmucke Zugabe. Die Poren
sind vor allem innen sehr fein. Der Stand ist außerordentlich
gut. Das Volumen üppig. Die Zusammensetzung ist cremig, sahnig
und doch straff. Topwertung hier. Die Farbe ist mahagonibraun und versehen
mit einem edlen Schimmern. Glanzfein liegt das Bier unter der majestätischen
Haube lauernd im Glas. Es will raus … aber zuerst muss noch der
duft klassifiziert werden: Sehr frisch, röstmalzig, erdig, malzwürig,
trocken, etwas Kaffee, gedörrte Beeren, gemahlener Mokka. Alles
dezent und aufgeräumt, nie aufdringlich aber doch schwungvoll und
selbstbewusst. Man schnuppert gerne dran.
Das Negative gleich vorneweg: die Kohlensäure ist etwas zu agil
und bizzelig. Das fällt sofort auf und erzeugt ein etwas kratziges
Gefühl. Was das Aroma angeht, kommt man rasch ins schwelgen. Eine
röstige, feine, trockene, pudrige Mokkanote steht gleich von Anfang
an im Mittelpunkt. Ausgereift. Edel. Frisch. Ein wenig geheimnisvoll.
Dies fließt bald über und ineinander in eine röstmalzige,
erdige, satt-trockene und feste Malzimpression. Herzhaft. Würzig.
Kraftvoll. (Das Kohlensäuredilemma wird noch klarer, wenn man das
Bier mit etwas zu viel Schwung einschenkt. Kurz nicht aufgepasst, und
man muss eiligst nach dem hochschießenden Schaum schnappen, damit
die Sache nicht überläuft. Das ist wirklich etwas des Guten
zu viel.) In Richtung Finish meldet sich eine Fraktion aus Holunder
und Brombeeren zu Wort, die in einem herben Schlussspurt gemeinsam mit
dem feinbitteren Hopfen eine gekonnte Pirouette drehen, um in einem
anregenden, nicht zu sanften, lebendigen und ausgewogenen Finish auszuklingen.
Zwischendrin lassen sich Nuancen von getrockneten Tabakblättern
erhaschen, eine Spur Lakritz senkt sich behutsam auf den Gaumen, der
Eindruck von Hafer ist vorhanden. Eine runde Malzsüße mit
etwas Karamell schwingen weit im Hintergrund und geben dem Aroma eine
leicht harzige Süße. Dominant ist und bleibt aber der trocken-röstige,
leicht gerstige und erdige Malzpart sowie das Mokkaartige, das vor allem
im Antrank bis weit in den Mittelteil erhalten bleibt. Dabei bleibt
dieses Dunkle jederzeit schlank und elegant. Die Vollmundigkeit ist
nicht übermäßig hoch. Das Bier bleibt rasch und süffig,
vorausgesetzt, man befreit dieses Dunkle durch geschicktes Einschenken
etwas von der ansonsten zu garstigen Kohlensäure. Was zu etwas
längeren Ruhezeiten führen kann, die man aber gerne in Kauf
nimmt, denn das Warten lohnt sich. Man wird durch einen sehr anregenden,
lebendigen, eigenen und hochwertigen Geschmack entlohnt. Damit das Ganze
nicht zu harmonisch und rund wird, sorgt eine etwas säuerliche
und spitze Note für etwas Frische und Schärfe. Das ist sicher
nicht optimal gelöst, bewegt sich aber jederzeit im Rahmen des
Angenehmen. Der Geschmack verfügt über eine anregende frische.
Das Aroma ist anspruchsvoll und ausgereift, erinnert nur entfernt an
ein Hausbrauereibier, aber das ist kein Nachteil, denn der Ausdruck
ist sehr klar und rein, würzig, reif und herzhaft. Das Wasser ist
weich. Mit Kohlensäure haben wir uns schon zur Genüge auseinandergesetzt.
Das Aroma ist komplex und hat einen hohen Aufforderungscharakter. Das
ist sicher kein Bier, das man mal nebenbei trinkt. Dazu ist die Sache
zu anspruchsvoll. Man wird sanft gezwungen, sich auf den Geschmack zu
konzentrieren und sich mit ihm auseinander zu setzen. Und das ist gut
so. Denn man merkt bald, dass mit hier viel Mut zum Besonderen kombiniert
mit großem handwerklichem Können etwas nicht Alltägliches
eingebraut wurde. Ein raues, herbes, männliches Bier mit dunklen
Aromen und herzhaft-würzigen, anspruchsvollen und facettenreichen
Wendungen. Dennoch wird es nur zu stressig sondern bewahrt sich eine
entspannte Ausstrahlung und sicher auch eine hohe Süffigkeit …
das bleibt das einzige Problem, abgesehen von Leuten, die lieber ein
flaches Bier von der Stange trinken, die Kohlensäure ist einfach
eine Stufe zu stark und verbizzelt einem den Genuss etwas. Zwar dringt
das Aroma dennoch tapfer in den Vordergrund. Der Gesamteindruck leidet
jedoch. Drum auch nur die 5. Vom Fass, frisch, bin ich sicher, dass
das Ganze noch positiver aussieht. Ein spannendes, intensives, anspruchsvolles
und interessantes Bier. Macht mächtig Spaß, dieses vielschichtige
und hochwertige Aroma zu entdecken. Kein Gebräu, das sich als rasches
Feierabendbier am Kiosk eignet. Eher vergleichbar mit einer guten Zigarre,
die man in Ruhe abends im Ohrensessel gemütlich schmaucht.
Fazit: Wie eine gute Zigarre
Wertung: + + + + +* [t
04/08]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen,
Hefe
PS: Tausend Dank an den Hausbraumeister Andreas Röhrl
von der 1. Trierer Hausbrauerei für die Zusendung dieser intensiven
und interessanten Bierkomposition.