Kummert Bräu Pils (4,9 %) seit ? aus Amberg in Bayern:

Das war hart. Nach langer Fahrt und zahllosen Kilometern kommt man im hübschen Amberg an, quartiert sich ein, reibt sich die Hände, läuft los. Die Brauerei Kummert verfügt über eine berühmte Gasthausbrauerei, und kaum lag der Koffer auf dem Bett lief ich los. Elend weit. Und was sehe ich an der Eingangstür, als ich endlich die Brauerei erblicke?: DONNERSTAGS RUHETAG. Das war vielleicht ein Schlag. Tagsdrauf konnte ich aber alle Sorten im hauseigenen Getränkeladen erstehen.
Das erste ist das Pils, und es muss sich richtig anstrengen, denn im Vorfeld habe ich das Freudenberger getestet, das himmlisch war …Der Schaum hat nicht ganz das Volumen, erfreut aber durch eine sehr feinporige Gestalt. Der Stand ist gut. Zurückhaltender, reiner, hopfenlastiger Geruch mit einer Spur Brenesseln.
Oha. Das ist deutlich malziger als das Freudenberger. Dazu auch etwas urwüchsiger, nicht so perfekt und strahlend, eher bürgerlich und bodenständig. Sehr intensiver Geschmack. Die Sache hat einen leicht holzigen Einfluss und viel Malz, vor allem am Anfang, später setzt sich eindeutig der Hopfen durch und schwingt lange nach. Das Wasser ist ausgesprochen weich und die Kohlensäure agiert dermaßen dezent im Hintergrund, dass man fast vergessen könnte, sie wäre da. Somit sehr mild und bekömmlich. Die Zutaten erreichen aber nicht ganz die Perfekte Harmonie des Partnerbieres aus der Nähe. Dafür werfen sich Hopfen und Malz mehr auf, sorgen für mehr Wirbel, wirken anstrengender aber auch intensiver trotz etwas niedrigerer Stammwürze. Der Geschmack ist leicht holzig, schrotig, hat ein etwas dumpferes Ambiente, wirkt bitterer trotz des höheren Malzanteils, nicht so sanftmütig und glatt. Der Übergang vom milderen und malzigeren Antrank hin zum Abgang fällt etwas rasch und vehement aus. Im letzten Drittel kommt auch ein Hauch von etwas zu ungelenkem Malz hinzu. Ein sehr interessantes Bier. Keine Frage. Es birgt viel Aroma in sich und verlangt dem geneigten Tester einiges ab. Das lässt sich nicht so einfach abtrinken, hier muss man sich Gedanken machen, hinhorchen und –schmecken. Man kann auf keinen Fall sagen, die Zutaten ruhen sich aus oder geben sich keine Mühe. Ganz im Gegenteil. Die geben richtig Gas. Allerdings wirken sie phasenweise fast ein wenig übermotiviert. Drum gewähre ich diesem auch einen halben Punkt weniger als wie dem Freudenberger, das insgesamt mehr Potenz und Harmonie ausstrahlte. Dennoch ist das Kummert-Pils ein Bier, das man auf keinen Fall versäumen sollte.

Fazit: Donnerstags Ruhetag
Wertung: + + + + + [t 10/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen
Im Internet unter: www.zumkummertbraeu.de