| Lahnsteiner Martinator (8,0 %) seit ? aus Lahnstein
in Rheinland-Pfalz: Ein Bock zur kalten Jahreszeit hat es immer etwas leichter. Er wärmt. Weckt die Lebensgeister. Wirkt schlanker. Wird leichter weg gesteckt. Der Geruch ist recht kräftig und schart und ein parfümartige Note. Der Schaum ist verblüffend feinporig und hat einen guten Stand. Die orange-braune Farbe deutet den Bock unmissverständlich an. Der erwartet klobig-malzige Antrank macht sich von Beginn an bemerkbar. Vom ersten Schluck an ist klar: Dieses Bier ist nicht für eine Teenager-Party geeignet. Dazu hat es zuviel Potential. Zwar gibt es sicher Starkbiere die mehr Milde und Bekömmlichkeit innehaben. Aber auch jene, die nur durch pure Gewalt und Stärke auftrumpfen. Das Lahnsteiner Martinator geht da eher den Mittelweg. Ist nicht zu seicht, um langweilig zu wirken oder unterschätzt zu werden, haut aber auch nicht zu sehr auf den Tisch und versucht durch schiere Kraft zu imponieren. Somit ergibt sich eine Mischung, die durchaus ihre Gefahr birgt. Leicht kantig vor allem im Antrank und im Finish sicher nicht übermäßig einprägsam und vollmundig. Aber der Mittelteil macht sich gut und repräsentiert auch den Großteil des Lahnsteiner Werkes. Gehaltvoll und süffig. Für ein Starkbier dieser Kategorie aber sicher nicht ausdrucksvoll genug. Und hier lauert die Gefahr. Denn wirklich gefährlich bzw. der Drehzahl angepasst wirkt das Martinator nicht. Die Falle ist somit schon aufgestellt. Süffig, glatt und doch erbarmungslos. Das Martinator schlägt zu. Macht keine Gefangenen sondern tritt zügellos aufs Gaspedal. Und spätestens hier merkt der aufmerksame Leser, dass ich eigentlich nur noch schwalle und die Rezession mit unwichtigem aufzublähen versuche. Das liegt wohl auch am Bier, das in Sachen Geschmack und Aroma nicht begeistern kann. Es ist zwar stark. Das spürt man bald. Aber ein Genuss oder eine Herausforderung ist es höchstens in zweitem Grade. Da gibt es deutlich einprägsamere Gebräue. Runder. Bekömmlicher. Intensiver. Nachhaltiger. Kantenloser. Den Slogan „Vollmundiges helles Starkbier“ kann man bei kritischer Betrachtung sicher nicht gelten bzw. unkritisch über sich ergehen lassen. Hier weist das Bier aus Lahnstein am Rhein doch Defizite auf. Unverwischbare. So sehr sich die Jungs und Mädels vom Rheinufer auch Mühe geben. Das sind Dinger im Umlauf, die dieses Bier ohne mit der Wimper zu zucken versenken würden. Fett. Stark. Unabänderbar. Das klingt zwar hart. Ist aber klare, unumstößliche Realität. Trotzdem sprießt die Hoffnung, dass die Lahnsteiner ihre hehre Kunst nicht aufgeben sondern fortführen und in Zukunft vielleicht sogar noch für eine Überraschung sorgen werden. Ich jedenfalls höre jetzt auf zu labern. Das kann man doch nicht ertragen. Verdammtes Starkbier. Fazit: Kanten-Los Wertung: + + + - (t 02/04) Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja Zutaten: Brauwasser, Malz, Hopfenextrakt, Hopfen Im Internet unter: www.st-martin-brauerei.de |
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