Leupser Dunkel (4,9 %) Brauerei Gradl seit 1683 aus Leups in Bayern:

Was für ein prächtiger Schaum. Königliche Haube von edelstem Stand, voll und stramm. Der Geruch ist nicht sonderlich intensiv, sehr dezent und weich, leicht trockenmalzig und röstig. Aber auch ein leicht öliger, tanniger Ton ist dabei. Sattbraunbernsteinähnliche Farbe. Äußerlich also schon alles sehr ansehnlich.
Trockener, röstmalziger, leicht erdiger, mit mokkaähnlichen Ansätzen und leicht bitterschokoladigen Aromen versehener Antrank. Das erinnert deutlich an ein sattes, trockenes, britisches Stout. Das Bier verfügt über ein ausgesprochen weiches, dynamisches Wasser. Die Kohlensäure versteht es eine angenehm rezente, gedämpfte und doch erfrischende Atmosphäre zu schaffen. Der Mittelteil wirkt sehr zügig, wohlig und schmackhaft, der Abgang neigt sich dann eher dem bitteren, hopfigen, dem herben Element zu und vergeht langsam und nachhältig. Der Geschmack hat etwas sehr edles, schlankes, fast asketisch, und doch verströmt dieses Dunkle eine sehr intensive Stimmung. Dabei bleibt das Leupser jederzeit sehr süffig und gemütlich, hat aber durch seine eigene, etwas schrullige und sehr individuelle Note ein großes Plus, denn so wirkt dieses Bier niemals langweilig oder angepasst. Vielmehr geht es einen sehr eigenen Weg und wirkt bürgerlich und herzhaft. Hier wird nicht groß geprotzt oder geprahlt, hier wird bodenständiger, solider Geschmack geboten, der sehr würzig und deftig auftritt, dem Kenner und Eingeweihten sein großes Potential bereitwillig offenbart, dem Massenbiertrinker aber sichre die eine oder andere Frage aufwerfen wird, denn anspruchslos ist es auf keinen Fall. Eher verlangt es eine gewisse Konzentration beim Genuss. Lässt man sich Zeit, den entfaltet sich das herrliche Aroma Schicht für Schicht und am Ende steht ... ein neues, ein weiteres Bier. Man kann nicht ablassen von diesem Gebräu. War das im Vorfeld getestete Büchenbacher verspielter, süßer, fröhlicher, so ist das Leupser eleganter, erwachsener, vielleicht auch eine Spur Reifer, auf jeden Fall vollmundig und präsent. Wenn alle so brauen würden wie die Leupser und Büchenbacher, Deutschland müsste sich keine Sorgen um den Bierabsatz machen. Schade nur, dass nur ein extrem kleiner Kreis überhaupt in den Genuss dieses Bieres kommt, denn dieses Biere sind kaum über die Ortsgrenzen bekannt. Schade. Die müsste es an jeder Tanke in Deutschland geben.

Fazit: Das müsste es überall geben
Wertung: + + + + + - [t 01/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen
PS: Vielen Dank an Daniel M. aus Hof für die Spende dieses herrlichen Bieres.