Mecklenburger Pilsener (5,0 %) seit ? aus Dargun in Mecklenburg-Vorpommern:

Dargun, ein kleiner Ort im mecklenburg-vorpommerischen Nirgendwo mit beeindruckender Ruine eines mächtigen Bauwerks, das ursprünglich altes Kloster, dann Barockschloss unter Einbeziehung der alten Anlage war und 1945 ausbrannte. Seitdem liegt es brach, die Reste sind aber sehr gepflegt.
Der Schaum ist schneeweiß und von feiner, dichter Konstitution. Der Stand ist gut, das Volumen ordentlich. Der Geruch hat eine blumige Ausrichtung, schämt sich des Malzes nicht und zeigt auch grasige Ansätze. Das alles sehr intensiv, wenn auch etwas plakativ. Die Farbe ist mittelgelb, für ein Pils recht dunkel.
Auch im Geschmack macht sich diese Überdrehtheit breit. Die Zutaten wirkten viel zu lebhaft, ausdrucksstark, dabei wenig integrativ. Eine seltsame Mischung aus spelzig-gerstigen Karamellnoten sowie einem Hopfen, der überbordet und vor lauter Schattierungen nicht weiß, wo er eigentlich hingehört. Das Aroma ist dementsprechend üppig und facettenreich. Aber eben auch ein Stück weit unnatürlich und aufgesetzt. Brauseartige Elemente sind vorhanden. Schwere parfümartige Noten. Die Kohlensäure ist zu rezent, es bizzelt sehr. Störend ein etwas dumpfer trockener Eindruck, der im Abtrunk dominanter wird. Seltsam auch ein starker Bruch im Arom mittig, plötzlich wendet sich der Geschmack völlig ohne Übergang. Das alles genau zu beschreiben erspare ich mir, da das Ergebnis ohnehin nicht wirklich fesselnd ist. Ein Pils, das sich am unteren Durchschnitt befindet, etwas zu lieblos und heftig wirkt, keine ruhigen Linien aufweist, Harmonie und Milde nicht findet, etwas gehetzt wirkt und kaum gute Momente hat. Zwar ist der Hopfen sehr agil und schwungvoll. Aber auch zügellos. Die teils beißende Kohlensäure tut ihr übriges. Dennoch kann man eine 3 auf jeden Fall geben.

Fazit: Zügellos
Wertung: + + + [t 03/09]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt