Meissner Schwerter Porter (6,5 %) Schwerter Brauerei Wohlers
KG seit 1469 (!) aus Meissen in Sachsen:
Holla. 6,5 Touren. Das ist ja schon stark Starkbierverdächtig.
Und das unter der Woche ... Interessanter, breit gefächerter Geruch.
Fruchtiges ist dabei. Lakritz. Dazu auch algenartig Salziges. Leicht
likörartig. Recht trocken im Aufbau. Auf jeden Fall sehr interessant.
Die Farbe ist sehr dunkel. Kaum einem Lichtstrahl gelingt es sich durch
diesen Vorhang hindurchzukämpfen. Der Schaum ist glitzernd-hellbeige
und von beachtliche gutem Stand. Feinporig. Voluminös. Und nicht
unterzukriegen.
Also. Hut ab. Das ist den Sachsen gelungen. Ein sehr süffiges,
schlankes, leichtes und luftiges Starkbier bei viel Ausdruck, Potential
und Vollmundigkeit. Eine vortreffliche Mischung aus Gas wegnehmen und
Gummi geben. Das Aroma hat viele Seiten, ist anregend, spannend, verführerisch
kräftig. Das Malz hat eine röstige und brotartige Note, wirkt
trocken, edel und hat viel Format. Der Hopfen vollführt sanfte
Sprünge und Drehungen, schüttet schwach Fruchtiges, lakritzaritge
Noten und eine feinherbe Bitterkeit aus. Alles sehr intensiv. Sehr kontrolliert.
Sehr harmonisch und mild; für ein Bier dieser Stärke. Man
muss sich beinahe bei jedem Schluck zurückbesinnen und bremsen,
da man ja einen Apparat mit 6,5 Umdrehungen verköstigt und kein
Leichtbier. Und so wirkt es beinahe. Leicht nicht im Sinne von Lau oder
Wässrig sondern leicht im Sinne von süffig, feinwürzig,
schmackhaft. Das läuft wirklich runter wie ein kühler Schluck
frischen Wassers nach einer langen Wüstenwanderung. Unheimlich
schmeckend und unheimlich schnell verschwindend weil grandios süffig.
Also wirklich. Da muss man den Meissner ein riesengroßes Kompliment
machen. Die bieten mit ihrem Porter ein sehr exotisches, ungewöhnliches
und reifes Bier. Das hat dermaßen viel Ausdruck, Tiefe und Charakter
bei einer absolut gut konsumierbaren, schlanken und bekömmlichen
Variante; man oh man muss man hier aufpassen, dass man sich nicht im
Gang vertut. Bevor sich der Trinker versieht, ist die Rettungsweste
abgelegt und dem süßen Untergang freier Lauf gewährt.
Herrlich gutes Bier. Brutal kräftig, kernig und aromatisch. Eine
Würze, die sich gewaschen hat. Dazu ein blendend schlankes Auftreten,
edel-zurückhaltend, nicht mit der Tür ins Haus fallend sondern
nachhaltig wirkend, eine Süffigkeit entfaltend, die man in dieser
Gewichtsklasse nur ganz selten trifft. Und was man vor allem nicht vergessen
darf. Hier sperrt, völlt oder stört mal überhaupt nichts.
Man trinkt dieses Starkbier mit einer Leichtigkeit; Wahnsinn. Einzig
ein leicht warmes, scharfes, schwach brennendes Gefühl nach dem
Abgang verrät das eigentliche Potential dieses Bieres. Ein mehr
als gelungenes Exemplar von A bis Z. Angefangen bei der bilderbuchmäßig
gekleideten äußeren Erscheinung über den Geruch bis
hin zum Abgang. Alles phantastisch aufeinander abgestimmt. Mich bringt
ja mittlerweile wirklich nichts mehr so leicht aus der Fassung. Aber
eine klarere 6 habe ich schon lange nicht mehr vor mir gehabt. Hut ab
vor den Jungs und Mädels, die sich für dieses Porter verantwortlich
zeichnen. Da habt ihr etwas ganz großes zusammengebraut. Fatal
verführerisch. Und vor allem auch sehr gut geeignet für Leute,
die sich normalerweise nicht unbedingt solchen Kalibern nähern
ohne dabei auch nur eine Spur weich oder lasch zu wirken. Einfach nur
gut.
„Der Kraftquell der Londoner Porters hat sein Comeback in
Sachsens ältester Privatbrauerei. Deutscher Porter – eine
Bierspezialität. Machen Sie Ihre Erfahrung!“
Fazit: Mach die Erfahrung
Wertung: + + + + + + (t
07/05)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot: JA
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen
PS: Vielen Dank an Frank L. für die Zusendung
der Meissner Bierproben!