Michelsbräu Hexator (7,2 %) seit 1815 aus Babenhausen in
Hessen:
Ein mit edler Flaschenhalsborde versiegelter Bügelverschluss krönt
das Bier und öffnet sich mit sonorem (und gleichzeitig drohendem)
FUMP. Der Schaum macht eine überaus gute Figur. Ist das Bock oder
Pils? Sehr feinporig und cremig. Enorm elegant und ebenmäßig.
Der Stand ist hervorragend. Das Volumen überdurchschnittlich. Das
Haselnussbraun ist klar und glanzfein. Der Duft wird dominiert von röstmalzigen
Einflüssen und einer nussig-harzigen Note. Ein bisschen Mokka schleicht
sich ein sowie ein Hauch Schokolade. Ein Hauch Rotwein klopft weit hinten
an. Nicht wirklich spektakulär. Aber auch nie störend oder
hart; vielmehr unaufdringlich.
Ein Hauch Karotte liegt im Antrank. Karottensaft. Im Zuge dessen offenbart
sich auch eine Gemüseartige Impression, die mit etwas Bohnen abgerundet
ist. Nicht ungewöhnlich für einen Bock. Hier merkbar. Das
Röstmalzige trägt nicht allzu trockne Züge. Ein klein
wenig ölig ist es. Das Mokka-Schokoladengemisch ist hier nicht
mehr ganz so im vorderen Mittelfeld, wie es in der Duftphase der Fall
war. Etwas Katziges ist vorhanden. Die Süße des Malzes lastet
etwas schwerfällig auf dem Aroma. Das Röstige wirkt nicht
trocken genug, vielmehr zu mastig. Etwas mehr Luftigkeit und Frische
täte hier gute Dienste. Dennoch ist es kein schlechter Bock. Für
Liebhaber süßer Biere sogar ein triefender Bronn. - - - Mit
der gewöhnt man sich ein wenig an die Süße und die herb-würzigen
Aromen gewinnen an Kraft. Eine sandelholzige Note ist klar erkennbar.
Das Trockne des Hopfens ringt etwas mit der Malzzuckrigkeit. Gewinnt
mehr und mehr an Gewicht. Schön die relativ hohe Ausgewogenheit
des Geschmacks. Hopfen wie Malz geben sich zurückhaltend, greifen
gelungen ineinander und geben dem Geschmack eine hohe Milde und Geschmeidigkeit
sowie ein hohes Maß an Bekömmlichkeit. Kein Bock mit Starallüren
oder der Holzhammermethode sondern eher ein leiser und zurückhaltender
Vertreter seines Fachs. Was nicht negativ zu verstehen ist. Sicher gibt
es flüssigere, leichtere, seidigere Vertreter, die den Bockbierstatus
noch eine Stufe höher halten. Aber auch der Hexator macht seine
Sache gut und verfügt über einen gutmütigen und vollmundig-schlanken
Charakter. Der Geschmack beschränkt sich auf wesentliche Bestandteile
und franst nicht aus. Sicher ist diese Gemüse-Karotten-Interpretation
etwas ungewöhnlich. Aber da auch die restlichen Einflüsse
nicht zu kurz kommen, entstehen ein passables Wirken und eine angenehme
Schwere. Definitiv kein Meilenstein oder ein Bock, der neue Türen
auftut. Eher ein Gebräu, das auf leisen Sohlen daherkommt und diejenigen
anspricht, die nicht zu sehr in die Tiefe gehen wollen sondern einen
unkomplizierten und gleichzeitig durchzugsstarken Vertreter dieser Kategorie
bevorzugen. Dann kommt man auf jeden Fall klar hiermit.
Fazit: Kein Hexenwerk
Wertung: + + + + [t 02/09]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
JA
Zutaten: Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen
Im Internet unter:
www.michelsbraeu.de