Neuzeller Kloster-Bräu Kloster Kirschbier (5,4 %) seit 1589 aus Neuzelle in Brandenburg:
Jetzt wird’s interessant. Kirschmuttersaft und Bier. - - Dunkler KNALLLROTE Farbe. Selten so etwas leuchtendes gesehen. Selbst der Schaum ist leuchtrot eingefärbt. Der Geruch ist herb und fruchtig und (wie kann’s anders sein) kirschig. Der Schaum ist kein Chartbreaker.
Heidewitzka. Herr Kapitän. Was für eine Kirsche. Hier hat klar das Kernobst die Hosen an. So etwas fruchtiges gibt es im Bieruniversum sicher nicht oft. Man ertappt sich dabei, ständig zu spucken, um die Kerne loszuwerden. Das hat mit „normalem„ Bier sicher nichts zu tun. ABER. Schauen wir mal hinter die Kulissen. Wenn man es schafft, seine Kischmuttersaftpapillen einmal auf Eis zu legen, so wird man gewahr, das im Hintergrund tatsächlich Bier die Trommel rührt. Glattes, süffiges, solides und strapazierfähiges Bier. Aber! HOPPLA!!
Schon wieder vom Kirschmuttersaft überrollt; der Eindruck weggeobstet. Tja. Welche Zielgruppe versuchen die Neuzeller Mönche hier zu erreichen? Kirschallergiker? Oder Kirschwasserabonnenten, die mal einen Gang zurück schalten möchten. Zum Frühstück ein Kirschbier sozusagen. Wie auch immer. Dieses Getränk ist absolut intensiv und interessant. Auf der einen fabelhaft fruchtig und schmackhaft. Auf der anderen aber als Bier nicht zu identifizieren. Andererseits sorgen 5,4 Umdrehungen irgendwann doch für reines und klares Bierfeeling. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird klar: Achtung! Noch eins, und die Gesichtsmuskeln werden schlaff. Aber mal ganz ehrlich: Wer schafft es, ohne Zwang mehr als 2 dieser Kirschmuttersafteinheiten über sich ergehen zu lassen? So lecker, süß und zuckrig es auch schmeckt. Man leckt sich übers Maul Aber wir wollen doch Bier trinken, oder? Wer unbedingt den Kirschschocker braucht, der kann auch Sirup pur konsumieren. Aber dazu BIER? Das paßt irgendwo nicht. Vor allem nicht in dieser Gewichtung. Ein Schuß; OK. Kann sogar recht entgegenkommend sein. (Siehe Lager & Lime in England.) Aber in dieser Mischung ist es doch etwas zuviel des Guten. Der Mund klebt. Der Magen reißt. Das Hirn (rechts vorne) überschlägt sich. Zu entgegengesetzt sind die Ausgangspunkte. Drum lassen wir dieses Experiment ein gutgemeintes und qualitativ auch gelungenes sein. Des Pudels Kern trifft die Sache aber nicht.
Fazit: Mutti, gib mich die Kirsche
Wertung: n.m. (t 01/04)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Nein
Zutaten: (Wasser, Malz, Hopfen), Kirschmuttersaft, Holundersaft,
Invertzuckersirup
Im Internet unter: www.neuzeller-bier.de